Free TV-Premiere „True Story“: Wer benutzt hier wen?

Ein gescheiterter Journalist freundet sich bei Besuchen im Knast mit einem mutmaßlichen Mörder an. Als Zuschauer ist man ratlos und gefesselt zugleich.

Zwei Mnner sitzen an einem Tisch im Gefängnis

Wollen beide schreiben: Journalist Finkel (Jonah Hill, l.) und Insasse Longo (James Franco) Foto: ZDF

Dieser Thriller fängt zweimal an, gewissermaßen. Es gibt eine Eröffnungssequenz, die hart ist, weil es um ein kleines totes Kind geht, das – wie so oft zum Auftakt von Krimis – ästhetisch überhöht in Szene gesetzt wird. Man könnte drauf verzichten … Einen Augenblick später gibt es als Kontrast eine zweite Sequenz, die die ganze Spannbreite des Films aufmacht: Ein Journalist ist bei seinem Job in einem Krisengebiet in Afrika zu sehen, wie er mithilfe eines Dolmetschers Interviews mit geschundenen Menschen führt. Es geht um Verletzungen, die sich der Journalist aber nicht zeigen lässt – es ist klar, dass das Gegenüber lügt. Aber Hauptsache, die Story ist gut. Und dann werden beide Handlungsstränge in dieser Free-TV-Premiere mäandernd zusammengeführt.

„True Story – Spiel um Macht“: Der Film von 2015 basiert auf dem Buch von Michael Finkel „True Story: Murder, Memoir, Mea Culpa“, das bereits 2005 erschienen ist. Finkel (Jonah Hill) arbeitet als hochgelobter Reporter für die New York Times und hübscht seine Reportagen also unrechtmäßig (siehe oben) auf. Das fliegt auf und er raus. Keiner will seine Storys mehr haben.

Da kommt Finkel der Fall von Christian Longo (James Franco) gerade recht, er wittert eine gute Story, daraus lässt sich ein Buch machen: Longo soll seine Frau und die drei Töchter umgebracht haben. Und er sucht offensichtlich die Nähe zu Finkel. Denn als Longo in Mexiko verhaftet wird, gibt er sich als Finkel aus …

Die beiden treffen sich fortan zu Gesprächen im Knast, Finkel erhält Exklusivrechte an der Geschichte – dafür muss er Longo Schreibunterricht geben. Und Longo übergibt dem Journalisten ein handgeschriebenes Werk von 80 Seiten, in dem er jeden Fehler seines Lebens beleuchtet. Das ist mit Zeichnungen übersät und ähnelt frappierend den Seiten in Finkels Notizbuch. Die beiden entdecken immer mehr Ähnlichkeiten. Die Männer finden sich sympathisch, ja, sie freunden sich an. Wo soll das enden?

„True Story – Spiel um Macht“, Sa., 1. 8., 23 Uhr, ZDF.

Alles kreist um ihre gegenseitige Beeinflussung. Da treffen fast gleich starke Gegner aufeinander, es geht um Lüge und Wahrheit, Manipulation und Vertrauen. Als Zuschauer ist man ratlos und gefesselt zugleich. Und denkt sich: Ja, klar, gleich kommt alles anders, als man denkt. Und es stimmt. Es gibt mehrfach Wendungen. Man ist hin- und hergerissen, mal auf Finkels Seite (liebt Ruhm), dann wieder auf Longos (selbstverliebt). Am Ende ist man doch überrascht – und möglicherweise den Filmemachern auf den Leim gegangen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de