Frauenrechte in den USA: Die Mutter-Slash-Karrierefrau

Amy Coney Barrett soll das oberste Gericht nach rechts rücken und Frauen eine Heldin sein. Jedoch nur für bestimmte Frauen.

Amy Coney Barrett bei ihrer Vereidigung, sie hebt die Hand zum Schwur

Amy Coney Barrett gibt sich als Feministin und inszeniert ihr Frausein sorgfältig Foto: Patrick Semansky/ap

Amy Coney Barrett ist Feministin. Jedenfalls möchte sie, dass man sie so sieht. Nach dem Tod der liberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg übernimmt die Konservative deren Platz am Obersten Gerichtshof der USA. Vorgeschlagen von Präsident Trump und bestätigt von der republikanischen Mehrheit im Senat, ist Coney Barrett diese Woche eingeschworen worden. Ak­ti­vist*in­nen befürchten, dass die neue konservative Zweidrittelmehrheit im obersten Gericht zulasten von Frauen und queeren Menschen gehen könnte. Vor allem fürchten sie um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Aufgefallen bei Coney Barrett ist die sorgfältige Inszenierung ihres Frauseins. In ihrer Rede am Montag wählte sie durchgehend die weibliche grammatische Form, als sie über den Unterschied zwischen Richter*innen und Po­li­ti­ker*innen sprach. „It is the job of a senator to pursue her policy preferences“, sagte sie, und: „By contrast, it is the job of a judge to resist her policy preferences.“ Deutschen Konservativen würden bei so einem generischen Femininum gleich die Höschen eng.

Auch die Wahl ihrer Kleidung wird diskutiert – eine fragwürdige Angewohnheit, die Coney Barrett bewusst für sich nutzt. Das auffällige Outfit mit „fuchsiafarbenem Kleid und Perlen“, das sie bei ihrer Anhörung vor dem Senat trug, war dem Magazin The Atlantic sogar einen Einstiegssatz wert.

Das Ziel Coney Barretts und derer, die an ihrer Inszenierung kurz vor der Wahl beteiligt sind, ist ein ehrgeiziges. Sie wollen die enge Assoziation von „Frauenrechten“ mit der politischen Linken auflösen, die nach der Wahl Trumps entstanden ist. Frauenpolitik, so die Botschaft, kann ebenso ein konservatives Gesicht haben. In der Ära von Präsident Grab-em-by-the-pussy war diese Botschaft schwer rüberzubringen. Entsprechend hat die republikanische Partei bei weißen Frauen mit Uniabschluss zuletzt massiv verloren.

Coney Barrett soll also nicht nur das oberste Gericht nach rechts rücken, sie soll auch den Frauen eine Heldin sein. Republikaner*innen preisen offensiv ihren Vorbildcharakter als Mutter-Slash-Karrierefrau. Es ist der Entwurf eines – nennen wir es – Feminismus, der sich auf die funktionierende Frau in der bürgerlichen cis-hetero Familie konzentriert, anstatt wie der liberale Feminismus auf die Selbstbestimmtheit des Individuums. Coney Barrett steht also niemals für diejenigen ein, die aus welchem Grund auch immer einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen.

Es bleibt unklar, ob der Oberste Gerichtshof den Fall Schwangerschaftsabbrüche aufrollen wird. „Es ist der Job einer Richter*in, ihren politischen Präferenzen zu widerstehen“, hat Coney Barrett versprochen. Aber es ist wahrscheinlicher, dass sich Frauenrechte (als Selbstbestimmungsrechte) in den USA verschlechtern werden. Und es ist deutlich geworden: Nicht alles, was gendergerecht spricht und Weiblichkeit feiert, ist Feminismus.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Gesellschaft und Medien. Schwerpunkte: Medienpolitik, Medienethik und der digitale Journalismus der Zukunft. Außerdem: queeres Leben, Gender, Sex.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben