Fossile Rohstoffe aus Kolumbien und Russland: Blutkohle für Datteln

Deutschland hat 2018 den Steinkohleabbau beendet. Das Gestein wird nun importiert und die Umwelt im Ausland zerstört.

Demonstrierende vor dem Kraftwerk Datteln 4

Demonstrierende vor dem Kraftwerk Datteln IV Foto: Jörg Farys

Ende Mai ging in Deutschland ein neues Kohlekraftwerk ans Netz: Datteln IV. Die deutsche Bundesregierung und die NRW-Landesregierung hatten dem Druck der Kohlelobby und des Betreibers Uniper nachgegeben.

Nicht nur, weil er die Klimakrise weiter verschärft, ist der Betrieb von Datteln IV unverantwortlich: An der dort verbrannten Steinkohle klebt Blut. Weil in Deutschland seit 2018 wegen der massiven Umweltfolgen und hohen Entschädigungskosten keine Steinkohle mehr gefördert wird, wird sie importiert, vor allem aus Russland und Kolumbien. So lagert die deutsche Industrie die Folgen in andere Weltregionen aus. Die Blutkohle ist Teil einer kolonialen Kontinuität und macht die imperiale Lebensweise im globalen Norden sichtbar.

In Kolumbien zerstören die Tagebaue riesige Landflächen, die lokale Bevölkerung wird mit Gewalt vertrieben. Aus der Region César ist bekannt, dass paramilitärische Einheiten rund um Tagebaue eingesetzt werden. Hunderte Menschen wurden vertreiben, viele gar ermordet.

Auch im russischen Kusbass werden Umwelt- und Menschenrechtler*innen angegriffen. Aleksandra Korolewa von der Organisation Ecodefense musste in Deutschland politisches Asyl beantragen. Trotzdem setzt sie sich weiter für den Schutz von Mensch und Natur in Kusbass ein. Im Februar protestierte sie vor Datteln 4 gegen deutsche Kohleimporte.

Einschüchterung auch in Deutschland

Auch in Deutschland bedeutet Kohleabbau Zerstörung: Im Rheinland, im Leipziger Land und in der Lausitz werden Braunkohletagebaue ausgeweitet und Dörfer abgerissen. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ stellt sich dem entgegen. Auch hier kommt es immer wieder zu Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen der lokalen Bevölkerung.

Trotzdem setzt sich das Bündnis weiterhin, unter dem Motto „Alle Dörfer bleiben weltweit“, für den Erhalt der vom Kohleabbau bedrohten Dörfer ein. Denn, internationale Solidarität ist dringend notwendig und eine wichtige Aufgabe der Klimabewegung im Globalen Norden: Laut des „Environmental Justice Atlas“ werden in 13 Prozent aller Umweltkonflikte Aktivist*innen, die gegen die Zerstörung von Mensch und Natur kämpfen, getötet.

Blickt man zurück auf die Verbrennung von Stein- und Braunkohle in Deutschland, ist klar: Eines Tages wird Datteln 4 wieder vom Netz gehen, werden die Tagebaue Geschichte sein. Welche Zerstörung der Kohleabbau und die Klima­krise hinterlassen, hängt auch von der Stärke der Klimabewegung und dem gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit ab.

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ist seit Herbst 2018 als Klimaaktivistin bei Fridays for Future Deutschland aktiv. Nebenbei hat sie gerade Abitur gemacht und spielt im LandesJugendSinfonieOrchester Hessen Geige.

soll RWE wegen seines kohlekritischen Engagements „mindestens 50.000 Euro“ zahlen. Er ist Co-Autor des Handbuch Pressearbeit (Unrast Verlag) und spielt Doppelkopf ohne 9er.

ist seit 10 Jahren für Klimagerechtigkeit und transformative Bildung aktiv.

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