Folgen des Coronavirus für den Sport

„Vollkommen abgeriegelt“

Nicht nur Chinas Sportler, auch die deutschen Segler Göttlich/Klasen trainieren isoliert. Und Chinas Handballerinnen verpassen Olympia.

Blick auf den Segelhafen der chinesischen Stadt Haikou

Derzeit schwierig zu verlassen: Segelhafen in Haikou Foto: imago/Yangx Guanyu

„Vollkommen abgeriegelt“ ist der Trainingsstützpunkt im chinesischen Haikou auf der Insel Hainan. Das berichtet der Berliner Segler Daniel Göttlich, der sich mit seinem Kollegen Linus Klasen dort gerade auf die Olympischen Spiele vorbereitet. „Es ist verboten, das Gebäude der Nationalmannschaft zu verlassen“, berichtet er in einer Mail an die taz. Bei Zuwiderhandlung drohe sofortige Isolation.

Das Training findet dennoch statt, aber unter ungewöhnlichen Bedingungen. „Der öffentliche Strand wurde rund um die Sportler abgesperrt, um den Kontakt mit der schaulustigen Öffentlichkeit zu verhindern, und ab sofort müssen alle Segler bis zu dem Zeitpunkt, wo sie abgelegt sind, Schutzmasken tragen“, so Göttlich. Auf der Insel Hainan war erst jüngst auch ein Formel-E-Rennen der Motorsportler abgesagt worden.

Was Göttlich und Klasen erleben, ist das, was in der gegenwärtigen Coronakrise den gesamten chinesischen Sport kennzeichnet. Die international am aufmerksamsten registrierte Maßnahme wurde von der internationalen Dopingkontrollagentur ITA im schweizerischen Lausanne mitgeteilt: Chinas Antidopingbehörde Chinada setzt nämlich aus Gründen des Gesundheitsschutzes die Kontrollen bis auf Weiteres aus, Sportler und Kontrolleure sollten sich nicht gefährden.

Unter Australiens Politik leiden Chinas Sportler

Am stärksten von den politischen Folgen des Coronavirus sind bislang die chinesischen Fußballerinnen betroffen. Die Nationalmannschaft war ins australische Brisbane gereist, um an der Olympiaqualifikation teilzunehmen, wurde aber erst einmal unter Quarantäne gestellt. Vor ihrer Abreise war sie nämlich in Wuhan gewesen, der Millionenstadt, aus der der Virus stammt. Vier Spielerinnen, zu denen auch die Spielmacherin Wang Shuang gehört, konnten gar nicht mitreisen. Die Sportlerinnen sind vor allem Opfer der Politik des australischen Ministerpräsidenten Scott Morrison, der die Corona­krise nutzt, um eine rigide Einreisesperre durchzusetzen. Davon betroffen sind auch die männlichen Fußballer: In der asiatischen Champions League sollten Klubs wie Schanghai Schenhua in Perth und Schanghai SIPG in Sydney antreten. Beides wird von der australischen Politik untersagt.

Für die chinesische Sportführung kommt das Virus zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt: Alle Athleten trainieren für die Olympischen Sommerspiele, die im Juli 2020 in Tokio beginnen werden. „Die Sportler trainieren hinter verschlossenen Türen“, sagt Liu Guoyong, Vizepräsident des Chinesischen Olympischen Komitees. Infektionsfälle gebe es aber derzeit nicht. Optimistisch fügt Liu hinzu: „Wir werden unser Bestes tun, um alle Sportler zu beschützen.“

Die chinesischen Fußballerinnen wurden in Australien unter Quarantäne gestellt.

Um ein Jahr verschoben, auf März 2021, wurde schon die Hallen-WM der Leichtathleten, die im März in Nanjing stattfinden sollten. Ausgeträumt ist die Olympiahoffnung für Chinas Frauenhandball. Das Team sagte die Teilnahme an einem Vierer-Qualifikationsturnier in Ungarn ab. Dort hätte es Ende März um ein Olympiaticket kämpfen sollen.

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