Flüchtlingskarawane Richtung USA: In Guatemala gestoppt

Bis zu 9.000 Menschen haben sich in einer Karawane von Honduras in Richtung USA aufgemacht. In Guatemala gingen Polizei und Militär gegen sie vor.

Viele Uniformierte gehen mit Knüppeln gegen eine Menschzenmenge vor

Heftiger Militäreinsatz gegen die Flüchtlinge aus Honduras in Vado Hondo, Guatemala Foto: Sandra Sebastian/ap

OAXACA taz | Die guatemaltekische Regierung lässt keinen Zweifel daran, dass sie eine Migrantenkarawane aus Honduras nicht durch ihr Land reisen lässt. Etwa 50 Kilometer von der Grenze des Nachbarlandes entfernt gingen Soldaten und Polizisten am Sonntag mit Tränengas und Schlagstöcken gegen den Marsch vor, an dem sich etwa 6.000 Menschen beteiligt hatten.

Zuvor hatten die Honduraner versucht, eine Sperre der Sicherheitskräfte zu überwinden. „Mehrere Migranten, Armeeangehörige und Mitarbeiter der Einwanderungsbehörden wurden verletzt“, berichtet Alejandra Mena, die Sprecherin des Guatemaltekischen Instituts für Migration (IGM).

Mit dem Einsatz in Vado Hondo nahe der Stadt Chiquimula konnten die Beamten die Karawane zwar aufhalten, dennoch harrten am frühen Montagmorgen noch immer Tausende Frauen, Männer und Kinder an der Sperre aus. Weitere sind auf dem Weg dorthin. Nur wer einen negativen Covid-19-Test vorweisen könne, dürfe weiterreisen, informierte die IGM.

Zugleich wurden nach Angaben der Behörde bis zum Sonntagabend 980 Personen wieder nach Honduras abgeschoben. Videos von Journalisten zeigen, dass bei den Rückführungen auch mexikanische Busse eingesetzt werden.

Das Ziel: USA

Nach Angaben der guatemaltekischen Regierung sind in den letzten Tagen etwa 9.000 Menschen aus dem Nachbarland eingereist. Ihr Ziel sind die USA. Schon bevor sich die Migranten vergangene Woche von der Stadt San Pedro Sula aus aufgemacht hatten, stellten die Regierungen von Mexiko, El Salvador, Guatemala und Honduras in einer gemeinsamen Erklärung klar, dass sie keine „illegale Einwanderung“ dulden würden und leiteten entsprechende Maßnahmen ein.

Die guatemaltekische Regierung verfügte einen „Präventionsstatus“, um angesichts der Pandemie „die Sicherheit der Bürger und den sozialen Frieden“ aufrechtzuerhalten. Polizisten und Soldaten waren angehalten, öffentliche Versammlungen aufzulösen. In Mexiko marschierten 500 Nationalgardisten an der Grenze auf. Auch Soldaten patrouillierten am Rio Suchiate, der das Land von Guatemala trennt.

Trotz der Maßnahmen konnten am Freitag etwa 4.500 Migranten die Grenze zwischen Honduras und Guatemala durchbrechen. Da sich unter den Reisenden auch zahlreiche Kinder befunden hätten, sei man nicht gewaltsam vorgegangen, erklärte ein Polizeichef des Grenzpostens El Florido.

Sollte es den Beteiligten der Karawane doch gelingen, Guatemala zu durchqueren und die mexikanische Grenze zu überwinden, steht ihnen im Norden Mexikos eine weitere Herausforderung bevor. Der künftige US-Präsident Joe Biden, der am Mittwoch sein Amt übernimmt, hat zwar angekündigt, die repressive Migrationspolitik seines Vorgängers Donald Trump nicht weiterzuführen. Dennoch rief er die Schutzsuchenden dazu auf, jetzt nicht zu kommen. „Die Situation an der Grenze wird sich nicht über Nacht verändern“, sagte er dem US-Fernsehsender NBC News.

Nach dem Einsatz der guatemaltekischen Sicherheitskräfte forderte die Regierung von Honduras Aufklärung. Guatemala müsse untersuchen, wie es zu dem bedauerlichen Vorfall kommen konnte, hieß es in einem Kommuniqué. Auch der guatemaltekische Ombudsmann für Menschenrechte, Jordán Rojas, kritisierte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Er erinnerte daran, dass die Migrantinnen und Migranten vor Armut und Gewalt aus ihrer Heimat flüchten mussten. Zudem hätten zwei Hurrikans, die das Land im November heimsuchten, die Lage noch verschärft.

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