: Flüchtlingsboot attackiert
MittelmeerMehr als ein Dutzend Tote, nachdem Unbekannte ein Boot mit 150 Flüchtlingen entern
taz | Bewaffnete Männer, die sich als libysche Küstenwächter ausgaben, haben in der Nacht zum Freitag ein in Seenot geratenes Flüchtlingsboot geentert. Dabei kamen nach Angaben der privaten Rettungsorganisation SeaWatch mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben. Der Vorfall ereignete sich in internationalen Gewässern, rund 14 Seemeilen nördlich der Küstenstadt Misrata.
Die Männer erschienen während eines Einsatzes des Rettungsschiffes Sea Watch 2. „Sie haben Pässe verlangt, die Migranten mit Stöcken geschlagen und unsere Crew davon abgehalten, Rettungswesten zu verteilen“, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer der taz. An Bord sei Panik ausgebrochen, alle 150 Insassen fielen ins Meer. Die Sea Watch Crew barg vier Leichen und behandelte vier Bewusstlose. Nachdem die Libyer sich zurückgezogen hatten, wurden 120 Schiffbrüchige an Bord genommen.
Unklar ist, zu welcher Einheit die Männer gehörten. „Die EU muss sich fragen, ob sie bei ihrer Militärmission mit einer solchen Küstenwache zusammenarbeiten will“, sagte Neugebauer. Erst vor wenigen Monaten hatte die Küstenwache auf hoher See auf die „Sea Watch“ geschossen. Christian Jakob
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 30 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen