Filme im Stream: Das Original ist besser

Unser Autor empfielt die Vorlage des Remakes „Vanilla Sky“ und Lustiges gegen Langeweile: Adam McKays Komödie „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“.

Szenenfoto: Penélope Cruz in „Abre los ojos – Open Your Eyes“ von 1997

Penélope Cruz in „Abre los ojos – Open Your Eyes“ (1997) Foto: Promo

Die 89 Millimeter, die belarussische Eisenbahngleise in der Spurbreite von denen des westlichen Europa unterscheiden, als Metapher zu verwenden, bietet sich geradezu an: Hier läuft tatsächlich alles ein wenig anders. Denn in Belarus regiert bekanntlich der autoritäre Präsident Alexander Lukaschenko; das Land ist dafür berüchtigt, dass oppositionelle Politiker und Journalisten spurlos verschwinden oder zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt werden.

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Sebastian Heinzels Dokumentation beschäftigt sich allerdings nur indirekt mit den Machenschaften des Diktators: 89 Millimeter – Freiheit in der letzten Diktatur Europas (2004) stellt sechs junge Leute im Alter von Anfang/Mitte Zwanzig mit recht unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben in den Mittelpunkt, wobei die Palette der Porträtierten vom Mitglied einer Widerstandsgruppe bis zum Soldaten reicht, der überhaupt keine Diktatur erkennen kann.

Heinzel blickt neugierig und interessiert auf das fremde Land: Ein spannender Film von jungen Leuten für junge Leute, der auch 17 Jahre nach seiner Entstehung noch aktuell wirkt (Stream bei Filmfriend: www.filmfriend.de).

Möglicherweise kennt man eher „Vanilla Sky“, das amerikanische Remake von Cameron Crowe mit dem aalglatten Tom Cruise, doch das Original Abre los ojos (1997) ist besser: ein kühler Thriller des spanisch-chilenischen Regisseurs Alejandro Amenábar über die Angst und die Unfähigkeit, sich der Realität zu stellen. Im Gegensatz zu „Vanilla Sky“ wirkt „Abre los ojos“ fast abstrakt: kein Pop, keine glitzernden Oberflächen, kaum Sympathie für die Figuren.

So erscheint der Absturz des Helden César (Eduardo Noriega) noch tiefer, und selbst Sofia (Penélope Cruz), von der César glaubt, sie könne sein Leben verändern, kommt kühl und maskenhaft daher. Die Liebesgeschichte ist hier nicht als Möglichkeit inszeniert, sondern als Illusion: die größere Distanz macht den Film zu einem intellektuellen Vergnügen, das erarbeitet sein will (Stream bei Rakuten TV: www.rakuten.tv/de).

Lustiges für langweilige Zeiten: Ricky Bobby (Will Ferrell) ist der erfolgreichste Rennfahrer der NASCAR-Serie. Außerdem ist er ein triebgesteuertes egozentrisches Riesenarschloch: amerikanisch bis ins Mark und dumm wie Brot. Sein Herausforderer heißt Jean Girard (Sacha Baron Cohen), kommt aus Frankreich und war Formel 1 Champion.

Er hört Musik von Charlie Parker und liest während des Rennens „Der Fremde“ von Albert Camus. Zudem ist er auch noch schwul – da fällt unseren Amis vor Schreck gleich die Bierflasche aus der Hand. Blöderweise erweist sich Girard aber als exzellenter Rennfahrer, und mit der Karriere von Bobby geht es unaufhaltsam bergab.

Adam McKays Komödie Ricky Bobby – König der Rennfahrer treibt sämtliche Klischees der Rennsportwelt auf vergnügliche Weise ins Extrem, und viele Gags sind dabei einfach zum Brüllen komisch (Stream bei Chili: www.de.chili.com).

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Lars Penning, geboren 1962. Studium der Publizistik, Theaterwissenschaft und der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Freier Filmjournalist. Filmredakteur bei tipBerlin. Buchveröffentlichungen: Cameron Diaz (2001) und Julia Roberts (2003). Zahlreiche filmhistorische und –analytische Beiträge für verschiedene Publikationen. Lebt in Berlin.

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