: Ficken statt Faschismus
Kommentar
von Alke Wierth
Beamte und ihr öffentliches Ansehen
Pimmel-Bingo 8“ – man muss den Film nicht gesehen haben, um sich denken zu können, dass es sich dabei um peinlichen Mist handelt. Ziemlich bedröhnt wirkende junge Frauen ziehen darin nachts durch die Straßen der Stadt und überreden vorgeblich zufällig ausgewählte Männer ziemlich mühelos, mit ihnen Sex zu haben – vor der Kamera, was dann oft gar nicht mehr so mühelos aussieht. Wer will, kann sich das eher Traurigkeit erregende Werk kostenlos auf Videokanälen im Internet ansehen. Pornos drehen, verbreiten oder angucken ist ja keine Straftat.
Deshalb also kann genauso wenig der Polizeischüler gefeuert werden, der in dem Streifen mitgespielt haben soll, wie derjenige seiner Kollegen, dem das aufgefallen ist, weil er den Porno offenbar angeschaut hat. Auch die schlechte Qualität des Pornos wird dem jungen Mann beruflich nicht zum Verhängnis. Das Disziplinarverfahren, das den angehenden Beamten erwartet, wird sich allein damit befassen, ob er mit seinem Verhalten „dem Ansehen der Polizei geschadet“ hat.
Darüber kann man geteilter Meinung sein und der Ausgang des Disziplinarverfahrens wird wohl vor allem davon abhängen, ob der junge Darsteller überzeugende Worte der Entschuldigung findet und nicht noch anders Missfallen erregt hat.
Wundern kann einen der Trubel um den offenbar einfach recht eitlen jungen Mann aber aus anderen Gründen: Ein Grundsatz des Beamtentums ist also, dessen Ansehen nicht zu schaden? Wären da nicht noch ein paar andere Angehörige des Berufszweigs zur Anhörung zwecks Prüfung ihrer charakterlichen Eignung vorzuladen?
Wir haben Polizisten, die den rechtsradikalen „Reichsbürgern“ angehören. Wir haben einen leitenden Oberstaatsanwalt in Berlin, der seit diesem Wochenende auf Platz 2 der Brandenburger Landesliste der BundestagskandidatInnen der ebenfalls am rechten Rand agierenden AfD steht.
Vor diesem Hintergrund wirkt ein Porno drehender Polizeischüler doch fast wie ein gewagter Nachwuchswerbegag der Polizei.
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