Feinstaub durch Heizen mit Holz: Husten fürs Klima

Gemütlich ist's, wenn die Scheite im Kamin knistern. Aber selbst modernste Holzheizungen emittieren zu viel Feinstaub. Trotzdem fördert sie der Senat.

Immerhin: Hübsch sieht's ja aus, wenn die Schlote rauchen … Foto: imago / Sabine Gudath

Feinstaub ist ein Killer. Von bis zu 60.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland ist die Rede. Holz ist ein hochgradiger Feinstaubproduzent, wenn es zum Heizen verbrannt wird, auch das ist bekannt. Trotzdem fördert der Senat die Anschaffung von Holzheizungen: Mit mehreren tausend Euro können sich Haus- und WohnungseigentümerInnen den Einbau sponsern lassen. Wie geht das zusammen?

Werfen wir zuerst einen Blick auf Twitter. Hier wettert der Meteorologe und Moderator Jörg Kachelmann seit Langem gegen das Revival des Holzheizens und geißelt es als fahrlässige oder bewusste Gesundheitsgefährdung. HerstellerInnen und NutzerInnen gemütlicher Kaminöfen oder moderner Pelletheizungen belegt er mit Kraftausdrücken: „Wahnsinn“ sei es, wie die „Feinstaubdeppen“ sich und ihre Nachbarn in einen stinkenden Giftcocktail hüllten – da könne man ja gleich im Kinderzimmer rauchen. „DummpolitikerInnen“ förderten das, und Verbände, die behaupten, man könne Holz ohne Risiko verbrennen, seien „dreckige Heuchler“.

Der Schweizer verweist regelmäßig auf eine Untersuchung des dortigen Bundesamts für Umwelt (Bafu), das 2014 den Ausstoß unterschiedlicher Heizungsarten ermittelte. Demnach emittieren die lustig knisternden Kaminöfen 1.000-mal so viel Feinstaub wie eine Gastherme, aber auch Pelletheizungen kommen noch auf den vier- bis fünfhundertfachen Wert. Auch wenn die Hersteller solcher Anlagen geringere Zahlen nennen, bleibt klar: Mit Holz heizt man ungleich schmutziger als mit Öl und Gas – schlimmer ist nur noch der Kohleofen.

Natürlich ist menschengemachter Holzbrand nicht die einzige Feinstaubquelle: Die winzigen Schwebteilchen, die unter anderem Schleimhautreizungen und sogar Krebs und neurologische Erkrankungen auslösen können, entstehen bei Waldbränden, bei der Industrieproduktion, durch Reifenabrieb oder durch die Silvesterböllerei. Aber für den Kritiker sind die Holzheizungen, von denen es aktuell laut Umweltbundesamt rund 11 Millionen in Deutschland gibt, ein völlig vermeidbarer Beitrag zur Luftverschmutzung.

Für die Luft sind Holzheizungen Gift. Und fürs Klima? Auch hier ist das Bild uneindeutig: Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) entstehen bei der Verbrennung „kurzlebige Klimaschadstoffe“ wie Ruß. Die schwarzen Teilchen absorbierten das Sonnenlicht und erwärmten ihre unmittelbare Umgebung. Laut DUH sind sie in der Arktis und den Alpen dafür „mitverantwortlich, dass das Eis schneller schmilzt.“ Außerdem werde stark klimawirksames Methan frei.

Selbst wenn man die Partikelemissionen auf das technische Minimum reduziert, bleibt die Frage nach der Klimawirkung offen. Voraussetzung für Klimaneutralität ist, dass jedes Jahr so viel Holz nachwächst, wie durch den Kamin gejagt wird. Aber schon heute kommt keineswegs alles aus nachhaltiger Forstwirtschaft, und bei wachsendem Bedarf ist dieses Ziel immer schwieriger zu erreichen.

Kachelmann unterfüttert das mit Messwerten. Fast täglich twittert er Diagramme, die zeigen, wie sich an Winterabenden die Kurve für PM10 – alle Partikel mit einem Durchmesser unter 10 Mikrometern (μm) – nach oben wölbt. Meist geht es um Mittelstädte in der Provinz, aber auch die Hauptstadt behält der Feinstaubjäger im Blick: „Obwohl etwas Wind ist, füllt sich die Luft in #Berlin langsam und kontinuierlich mit Feinstaub übers Wochenende“, twitterte er am 1. Dezember. „Diese Holzofen-Basis ist unabdingbar für Grenzwertüberschreitungen am Montag, die dann von Gaga-Politikern und -Verbänden lustigerweise dem Verkehr zugeordnet werden.“

Richtig ist: Obwohl das Umweltbundesamt und Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe schon lange vor den Gefahren des Holzheizens warnen, findet diese Feinstaubquelle immer noch relativ wenig Beachtung. Ganz im Gegensatz zum Straßenverkehr: Die meisten Berliner Messstationen stehen an stark belasteten Verkehrsachsen wie der Frankfurter Allee, der Leipziger Straße oder dem Mariendorfer Damm. Die wenigen Sensoren in Randlagen wie Grunewald und Buch sollen nur als „neutrale“ Vergleichskulisse dienen. Vielleicht liegt es daran, dass die von Kachelmann beschworenen Kontaminationsmuster nicht wirklich augenfällig sind, wenn man die Feinstaubentwicklung im Verlauf des Winters betrachtet.

Allerdings entlassen brennende Holzscheite und Sägemehl-Presslinge auch Stäube in die Umwelt, die von den Sensoren kaum bemerkt werden. Aber für den Luftreinhaltungs-Experten Axel Friedrich, der die Kampagne „Clean Heat“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unterstützt, gehen gerade von den „ultrafeinen“ Partikeln die größten Gefahren für die menschliche Gesundheit aus. Sie wanderten fast unbehelligt durch die Lungenwand in den Blutkreislauf und könnten vermutlich sogar Erkrankungen wie Parkinson auslösen. Weil sie keine nennenswerte Masse besäßen, die Grenzwerte aber auf Gewicht basierten, würden sie gar nicht erfasst.

Und nun das: Im September veröffentlichte die Senatsumweltverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz die Förderrichtlinie zum „Berliner Heizungsaustauschprogramm“. Es gehört zum groß angelegten Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK 2030) und bietet EigentümerInnen Zuschüsse, wenn sie Kohleöfen, aber auch Öl- und ältere Gasheizungen durch klimafreundlichere Anlagen ersetzen – auch solche, die mit Holz bestückt werden. Wer sie kauft, kann 3.500 Euro von der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) einstreichen.

Offenkundig steht hier Klima- gegen Gesundheitsschutz, auch wenn die Senatsverwaltung das so nicht stehen lassen will: Es seien ja „technische Mindestbestimmungen“ definiert worden, betont Jan Thomsen, der Sprecher von Senatorin Regine Günther (Grüne). „Diese stellen sicher, dass nur emissionsarme Holzpellet- und Holzhackschnitzelkessel auf dem aktuellen Stand der Technik förderfähig sind.“ Thomsen verweist zudem darauf, dass es die Möglichkeit gebe, diese Heizungen mit hocheffizienten Staubfiltern nachzurüsten. Dafür könne zusätzlich eine Bundesförderung beantragt werden.

Weil der „aktuelle Stand der Technik“ bei Pellets und ­Hackschnitzeln keine wirkliche Abhilfe schafft, müssten alle, die sich beim Heizungskauf fördern lassen, wenigstens einen elektrischen Partikelabscheider einbauen. Das sieht auch Dorothee Saar so, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH. Sie ist der Ansicht, dass in Ballungs­gebieten eigentlich nur mit Holz geheizt werden dürfe, wenn alle Anlagen „nachweislich sauber und mit entsprechender Abgas­reinigungstechnik ausgestattet“ seien. Bloß: Die Pflicht zur Aufrüstung mit Partikelabscheidern gibt es nicht.

Die Umwelthilfe, aber auch die Senatsverwaltung setzen darum auf freiwillige Aufrüstung. So wie es das mittelständische „Florida Eis“ in seiner Spandauer Produktionsstätte getan hat: Der Partikelabscheider, den das Unternehmen auf Anregung der „Clean Heat“-Kampagne in ihre Pelletheizung einbauen ließ, senkt laut DUH die Anzahl der ultrafeinen Partikel im Abgas um rund 80 Prozent.

Einen kleinen Etappensieg beim Kampf gegen Holzfeinstaub hat die Umwelthilfe übrigens gerade eingefahren: Sie hat die „Jury Umweltzeichen“, die den sogenannten Blauen ­Engel vergibt, dazu bewegt, ein solches Label für Kaminöfen zu beschließen – also die mit Abstand schmutzigsten Holzheizungen. Ab dem 1. Januar 2020 können Hersteller den Blauen Engel auf Öfen kleben, die ebenfalls mit Partikelabscheidern ausgerüstet sind. Deren Emissionen bleiben dennoch höher als bei Pellets oder Hackschnitzeln, weil beim Verbrennen von Holzscheiten von vornherein mehr Dreck entsteht.

Für die BesitzerInnen solcher Öfen ändert sich dadurch ­allerdings nichts – und dass künftige OfenkäuferInnen zu den teureren Öfen mit dem Sauber-Label greifen, ist erst einmal auch nur wünschenswert. Es sei denn, das Zertifikat wird von den Behörden zur Bedingung gemacht. Hier kann sich die Umwelthilfe auf eine Ankündigung berufen, die die Senatsumweltverwaltung im aktuellen Luftreinhalteplan macht: Im Rahmen einer zu erarbeitenden „Festbrennstoffverordnung“ soll der Blaue Engel künftig Mindestanforderung für alle neuen Kaminöfen sein.

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