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Familiendrama von Matti GeschonneckKonzentration bitte!

Nach diversen "Tatorten" und "Polizeirufen" drehte Matti Geschonneck seinen ersten Zweiteiler: Der Thriller "Entführt" verlangt dem Zuschauer viel ab (20.15 Uhr, ZDF).

Matti Geschonneck ist ein Typ, neben dem man nicht im Flugzeug sitzen möchte. Er ist groß und voluminös. Wer die Chance bekommt, sollte sich dennoch einen Platz in der Nähe des Regisseurs sichern, denn der listig dreinblickende Fastglatzkopf mit der Brille ist ein angenehmer und im besten Sinne des Wortes bodenständiger Gesprächspartner. Er verpasst seiner Filmarbeit keinen angeberischen Überbau, sondern sagt Sätze wie: "Ich kann viele meiner Regie-Entscheidungen gar nicht richtig erklären, die entstehen intuitiv bei den Dreharbeiten." Dabei spricht der 56-Jährige in einem Plauderton, der fast einlullend wirkt.

Die Krimis und Thriller von Matti Geschonneck gehören regelmäßig zu den herausragenden TV-Produktionen und erfordern höchste Aufmerksamkeit vom Zuschauer. "Entführt" heißt sein neuer Fernsehfilm, den das ZDF am 2. und 4. März zeigt.

Es ist Geschonnecks erster Zweiteiler, wie die ZDF-Offiziellen bei der Premiere nicht müde werden zu betonen. "Mir is dit völlich schnuppe", sagt der in Ost-Berlin aufgewachsene Sohn des DDR-Schauspielers Erwin Geschonneck am Morgen danach. "Das einzige Problem ist vielleicht, dass du den ersten Teil so spannend machen musst, dass die Leute sich auch noch den zweiten ankieken."

Das mit dem spannenden ersten Teil hat er hinbekommen. Darin werden die Tochter und der Ehemann der Chirurgin Liane Bergmann (gespielt von Nina Kunzendorf) entführt. Die Forderung der Gangster: 22 Millionen Euro. Sie wissen, dass Bergmann die Tochter des Industriellen Albert Targensee (Friedrich von Thun) ist. Allerdings hat sie zu diesem keinen Kontakt mehr, seit ihre Mutter vor 20 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam und ihr Vater erneut heiratete. Liane Bergmann sucht ihren Vater dennoch auf und erfährt, dass er von ihrem Ehemann über ihr Familienleben informiert wird. Irgendwann wird klar: Hier wird kein Entführungsfall erzählt, hier geht es um eine grausam zerrissene Familie und um ein Geheimnis, das Albert Targensee jahrzehntelang verbergen konnte.

Geschonneck nutzt das beliebte Krimi-Genre, um die Zuschauer zu locken - und sie zu einem unerwarteten Ziel zu bringen. "Ich lande meistens bei Familienstrukturen", sagt er. "Schuld, Verrat, Eltern-Kind-Konflikte - das sind die Themen, die unsere Welt schon immer bewegt haben." Auf dem Weg dorthin verlangt er den Zuschauern einiges ab. Geschonneck zelebriert die Technik der Reduktion in jeder Einstellung. Oft machen Nuancen eine völlig neue Sicht auf die Geschichte notwendig. Blicke, Gesten, Dialogfetzen, Gesprächspausen - alles kann wichtig sein.

Sogar das, was man nicht sieht. So ist es typisch Geschonneck, dass in "Entführt" die eigentliche Entführung nicht gezeigt wird. Gar nicht glücklich waren darüber zunächst der ZDF-Redakteur Daniel Blum und der Produzent Reinhold Elschot. Sie fürchteten, dass die Zuschauer abgeschreckt sein könnten, wenn sich an diesem Punkt ihre Erwartungen nicht erfüllten. Verständlich, sind die es doch von den meisten deutschen Produktionen gewohnt, jedes Ereignis erklärt zu bekommen.

"Wir haben eine fast schon dramatische Debatte geführt", erinnert sich Geschonneck. "Ich glaube, dass die Fantasie des Zuschauers stärker in Bewegung gerät und es einen Film spannender macht, wenn man nicht immer alles sieht, was passiert."

Ein ähnlicher Fall ist die angedeutete Romanze zwischen dem Kommissar (Heino Ferch) und Liane Bergmann. Nach Lehrbuch-Dramaturgie müssten die beiden mindestens einmal nackt im Bett landen, aber Geschonneck sagt: "Ich finde Möglichkeiten spannender als den Vollzug." Mit so einer Haltung muss man sich im deutschen Fernsehen erst mal durchsetzen.

Es hilft ihm sicherlich, dass seine Filme sechs, sieben und mehr Millionen Zuschauer erreichen. Eine Erklärung für den Publikumserfolg hat Geschonneck nicht: "Meine Filme drehe ich so, wie ich sie selber gerne sehen würde. Wenn das Publikum ähnliche Vorstellungen hat - umso besser." Am Ende des Gesprächs sagt er: "Wissen Sie, letztlich gibt es nur spannende und interessante Filme und langweilige und uninteressante Filme."

Das stimmt. Aber war das jetzt eine banale Aussage oder hat der Meister der Reduktion hier eine Botschaft weggelassen, die der Angesprochene selbst erschließen muss?

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