FFF demonstriert in 150 Ländern: Trotz Corona und Regen

Mit Aktionen an über 3.000 Orten meldet sich Fridays for Future zurück – möglichst coronakonform.

Eine junge Frau mit blauen Haaren und einer blauen Mundschutzmaske demonstriert

25.9., internationaler Klimastreiktag, hier: Proteste in Frankfurt Foto: Michael Probst/ap

BERLIN/BREMEN/MUMBAI taz | Trotz Coronabeschränkungen und schlechtem Wetter in Mitteleuropa haben Fridays for Future am Freitag den ersten globalen Klimastreik seit Beginn der Pandemie gestartet. Obwohl der Ausstand kaum an frühere Erfolge anknüpfen konnte, protestierten erneut Hunderttausende in etwa 150 Ländern für eine bessere Klimapolitik.

Fridays-Initiatorin Greta Thunberg versammelte sich mit einem guten Dutzend weiterer DemonstrantInnen vor dem Parlament in Stockholm. „Heute ist unser globaler Klimaaktionstag, und wir streiken an über 300 Orten!“, schrieb die 17-jährige Schwedin zu einem Foto von der Aktion. Das stimmte allerdings nur für Schweden: Allein in Deutschland waren 400 Aktionen geplant, weltweit waren laut FFF mehr als 3.000 „Klimastreiks“ registriert.

In der Hand hielt Thunberg dabei neben ihrem berühmt gewordenen Protestschild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik fürs Klima) ein weiteres Schild, auf dem sie darauf hinwies, Abstand zu halten und sich – in Schweden – nicht mit mehr als 50 Teilnehmern zu versammeln. Parallel teilte sie per Twitter Eindrücke von Protestaktionen aus anderen Weltteilen, etwa Australien, Bangladesch und Japan.

Die Coronakrise hatte viele Protestierende erfinderisch gemacht: Im südindischen Hyderabad wurden tausende Schuhe mit Botschaften an die Regierung versehen stellvertretend von Freiwilligen aufgestellt, die nach der Aktion an eine NGO gingen. „Wir fordern für das Recht auf Wald für eine gute Zukunft, und das Recht auf saubere Luft und Wasser“, lautete die Botschaft des 14-jährigen Lohitaksh, der über einen Lehrer erfahren hat, dass sich weltweit junge Menschen für Klimaschutz einsetzen.

FFF agiert in Indien verstärkt im Netz

„Anfangs hat vielen Kindern der Zusammenhang zwischen Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen und dem Klimawandel gefehlt“, sagt der 27-jährige Sharma. Gerade während Indiens Corona-Lockdown haben viele bemerkt, was sie an der Natur haben. Doch mit dem Alltag gerate das in Vergessenheit. „Deshalb sind die Freitagsaktionen eine gute Erinnerung“. Seit Corona hat sich die FFF-Bewegung in Indien immer mehr ins Netz verschoben.

In Berlin fand mit mehreren tausend BesucherInnen eine der größten Aktionen in Deutschland statt – natürlich möglichst coronakonform. Verschiedene Fahrraddemos führten zum Brandenburger Tor, wo schon früh morgens Helfer*innen im Regen weiße Punkte im Abstand von zwei Metern auf den Boden gesprüht hatten, auf die sich die Demonstrierenden setzen sollten – natürlich mit Maske. Doch der Boden war nass und die meisten standen.

„Die Klimakrise macht keine Pause, auch nicht während Corona“, sagt der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf und ermutigte Fridays for Future, auch Teilerfolge zu feiern: „Vor fünf Jahren haben deutsche Umweltverbände von der EU gefordert, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionenn um 55 Prozent zu mindern. Heute ist das der Vorschlag einer konservativen EU-Komissionspräsidentin. Und das haben wir zum großen Teil Fridays for Future zu verdanken.“

Sechs Startpunkte in Bremen

In Bremen gab es gleich sechs verschiedene Startpunkte für den Global Climate Strike: Beim „Sonnenmarsch“ marschierten Klimaaktivist*innen aus allen Richtungen der Stadt auf den Weg zum Osterdeich an der Weser – und legten damit vielerorts den Verkehr lahm. Laut Polizei machten 2.200 Menschen mit.

Einer der Startpunkte war das Bremer Antikolonialdenkmal. In der Klimakrise ginge es auch um historische Verantwortung, den Kampf für Geschlechtergleichheit und internationale Gerechtigkeit: „Die Staaten, die historisch am meisten zur Klimakrise beigetragen haben und es immer noch tun, sind auch die Staaten, die die Folgen der Klimakrise am wenigsten zu spüren bekommen. Wir müssen die Klimakrise intersektional betrachten!“ rief eine Aktivistin vom Lautsprecherwagen.

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