piwik no script img

Erster Queerbeauftragter BerlinsEin unscharfes Aufgabenfeld

Das Land Berlin hat mit Alfonso Pantisano seinen ersten Queerbeauftragten. Lob kommt von Verbänden, die Grünen kritisieren.

Benjamin Probst

Aus Berlin

Benjamin Probst

Die schwarz-rote Landesregierung hatte es in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, jetzt ist es so weit: Berlin hat erstmals einen Queerbeauftragten. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ernannte am Dienstag den SPD-Politiker und Aktivisten Alfonso Pantisano zur „Ansprechperson Queeres Berlin für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“. Der 48-Jährige solle Ansprechperson, Repräsentant und Sprachrohr für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und intergeschlechtliche (LSBTI*) Menschen sein.

„Alfonso wird von uns als streitbare Person, die anpackt, geschätzt“, bewertet Christopher Schreiber, Pressesprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Berlin-Brandenburg, die Besetzung.

Bis Anfang des Jahres war Pantisano Mitglied des LSVD-Bundesvorstands. Als SPD-Politiker war er außerdem bisher persönlicher Referent der SPD-Chefin Saskia Esken und zuvor in ähnlicher Funktion für Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) tätig. Durch seine Parteiarbeit bei SPDqueer Berlin war er zudem Mitglied des SPD-Landesvorstands, dieses Amt hat er aber mit seiner Ernennung zum Queerbeauftragten abgelegt.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Das Aufgabenfeld der neu geschaffenen Stelle sei noch recht unklar, so Schreiber vom LSVD. So sei etwa unklar, ob die Stelle ein eigenes Budget erhalte. Bisher heißt es von der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales, Pantisano werde Repräsentationsfunktionen übernehmen und einen Runden Tisch zu Gewalt gegenüber queeren Menschen einrichten, der regelmäßig tagen solle.

Community außen vor

„Die Angst, die Hand des Partners in der Öffentlichkeit zu halten, ist immer da, in der ganzen Stadt. Das ist eine Ungerechtigkeit, die ich beseitigen will“, sagte Pantisano am Dienstag. Außerdem soll er die Queerbeauftragten der Berliner Bezirke koordinieren, bei diesen für „fachpolitische Vorhaben des Senats“ werben und das von der Regierungskoalition geplante Regenbogenhaus begleiten.

Während verschiedene queere Verbände positiv auf die Neuerungen in Berlin reagieren, kritisierten die queerpolitischen Spre­che­r:in­nen der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, der Senat nehme der queeren Community eine wichtige Chance. So sei weder das Profil der Stelle mit der Community erarbeitet noch die Position öffentlich ausgeschrieben worden.

„Wir hoffen, dass der Beauftragte nicht nur die Punkte des schwarz-roten Koalitionsertrages abarbeitet“, sagte Sebastian Walter gegenüber der taz. Vielmehr müssten die Interessen der queeren Community beachtet werden. Pantisano widerspricht der Kritik: „Ich bin alles andere als ein Parteisoldat, ich habe meine Partei sofort kritisiert, wenn es um die Anliegen der queeren Community ging!“

Bisher hatte es in Berlin lediglich auf Be­zirks­ebe­ne Diversity- und Queerbeauftragte gegeben. Der Stadtstaat ist erst das zweite Bundesland, das einen Queerbeauftragten einsetzt, in Rheinland-Pfalz gibt es die Stelle schon seit 2016.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Stilisierter Packshot der wochentaz mit Handy daneben, in dem das wochentaz-Logo und die taz-tazze zu sehen ist. Daneben die Abbildung der Prämie: ein Jockstrap in Weiß und Rot mit taz-Logo

10 Wochen wochentaz + limitierter taz-Jockstrap

Fest an der Seite der queeren Community seit 1978: Mit unserem Pride-Abo der wochentaz gibt's jede Woche progressiven taz-Journalismus in den Briefkasten.

  • Seit ihrer Gründung nimmt die taz kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, für die Belange von queeren Menschen einzustehen
  • Unser Pride-Abo bietet dir diesen taz-Journalismus jede Woche neu in der wochentaz, unserer progressiven Wochenzeitung
  • Du bekommst 10 Ausgaben der gedruckten wochentaz und eine einmalige Prämie als Dankeschön
  • Unser Dankeschön: Der streng limitierte taz Jockstrap – elegant, minimalistisch und ausdrücklich für alle Geschlechter gestaltet

Probeabo & Prämie für nur 25 Euro

Jetzt Angebot sichern

5 Kommentare

 / 
  • Stefan Schaaf

    „Die Angst, die Hand des Partners in der Öffentlichkeit zu halten, ist immer da, in der ganzen Stadt. Das ist eine Ungerechtigkeit, die ich beseitigen will“

    Das ist nicht nur in Berlin so, sondern auch in der Stadt, in der ich lebe. Genau von dieser Angst erzählen mir Freunde, das ist kein Zustand, den man einfach hinnehmen sollte.

  • Tze Lu-

    "Während verschiedene queere Verbände positiv auf die Neuerungen in Berlin reagieren, kritisierten die queerpolitischen Spre­che­r:in­nen der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, der Senat nehme der queeren Community eine wichtige Chance"

    In vier Jahren es nicht gebacken bekommen, dann aber rummäkeln. Wieviele Sprecher und Sprecherinnen hat die Grünenfraktion eigentlich und liegt hier vielleicht das Problem?

    • 6G
      678409 (Profil gelöscht)

      @Tze Lu-:

      1. In den 4 Jahren waren die Grünen nicht alleine. Da war noch die Linke und die SPD. Die Ampel besteht auch aus 3 Parteien und nicht nur den Grünen.

      2. Erkenne hier kein rummäkeln. Das ist eher die Aufgabe der CDU / CSU und der FDP. Das ist sachliche Kritik der Grünen.

      3. Welches Problem meinen Sie konkret?

  • 6G
    665691 (Profil gelöscht)

    Die hatten in ihrer Regierungszeit die Möglichkeit dieses Amt einzurichten, taten es aber nicht.

    • 6G
      678409 (Profil gelöscht)

      @665691 (Profil gelöscht):

      Die SPD und die Linke waren auch in der Regierung. Waren ja nicht nur die Grünen alleine.