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Erhabene, füllige Brüste

Sex und Politik Frankreich streitet über einen alten Roman des neuen Premiers Édouard Philippe

Macht der Macho-Held des Romans aus seinem Autor einen Macho?

Die Beziehungen zwischen der Macht und dem weiblichen Geschlecht beherrschen in Frankreich häufig das aktuelle Geschehen und geben Anlass zu Polemik: So ist es halt, das politische Leben. Jüngstes Beispiel dafür ist eine Debatte in der französischen Presse über den neuen Premierminister Édouard Philippe. Der ist Ko­autor eines Romans, der, laut dem Wochenblatt L’Express, eine „rückwärtsgewandte Sicht auf Frauen“ wiedergebe.

Dieses Buch mit dem Titel „Im Schatten“, das 2011 im Verlag Lattès erschienen ist, blickt hinter die Kulissen des politischen Lebens. Darin lässt Philippe jemand über die Pressesprecherin einer Partei sagen: „Marilyn hat einen kleinen Busen. Normalerweise mag ich das nicht so. Mein Ding sind, ich gebe es zu, eher etwas füllige Brüste. Nicht erdrückend und schlaff, nein, nicht so schwer, dass sie hängen, sondern irgendwie erhaben.“

Eine politische Gegnerin wiederum wird beschrieben als „ausgestattet mit dieser unmerklichen Trockenheit von Frauen, die niemals Mutter sein werden, was unweigerlich zu einer fürchterlichen Politik führt: das Herz eines Mannes im Körper einer Frau.“ Diese Auszüge werden in den Medien und im Netz hin und her gewälzt und haben eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die belgische Tageszeitung Le Soir spricht von „unheimlichen Passagen“. Catherine, eine unabhängige Journalistin, zeigt sich im Gespräch nicht überrascht. Sie erinnert daran, dass Philippe in der Nationalversammlung gegen einige liberale Gesetze gestimmt hat, die in der Regierungszeit François Hollandes verabschiedet worden waren: die Legalisierung der Homo-Ehe sowie die strafrechtliche Verfolgung von Anti-Abtreibungs-Seiten im Internet.

Demgegenüber schreibt Johanna Luyssen in der französischen Tageszeitung Libération: „Nein, der Macho-Held des Romans von Édouard Philippe macht aus jenem keinen Macho. Niemand kann begründen, dass es sexistisch ist, über seine sexuellen und anatomischen Vorlieben zu sprechen. Und es nicht zwingend, dass eine Romanfigur zwangsläufig alle Gedanken, Ideen und die ganze Ideologie ihres Autors wiedergibt.“ Philippes Roman befasse sich mit dem politischen Leben in Frankreich, und das komme eben „nicht ohne Macho-Gehabe aus“.

In Frankreich gehen Sex und Politik zusammen. Die Liste der Premiers und Präsidenten, denen Affären nachgesagt wurden, ist lang. Zuletzt war es François Hollandes Seitensprung mit der Schauspielerin Julie Gayet, der die Preisgabe von Intimitäten durch seine Lebenspartnerin, die Journalistin Valérie Trierweiler, nach sich zog.

François Misser

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