Ergebnisse der COP26: Dennoch ein Fortschritt

Auch die Glasgower Konferenz endet mit vielen verwässerten Formulierungen. Gleichwohl zeigt COP26, warum es solche Klimagipfel braucht.

Buntes Plakat liegt auf der Erde in Glasgow während des Klimagipfels

Protestplakat in Glasgow während der Weltklimakonferenz Foto: Lee Smith/reuters

Die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen sind immer mit gemischten Gefühlen verbunden. Ihre Mission, die Erde für ihre Be­woh­ne­r:in­nen bewohnbar zu halten, können sie nie ausreichend erfüllen. In die nationale Politik, dort also, wo die klimafreundliche oder klimaschädliche Wirtschaftspolitik letztlich gemacht wird, greifen die Verhandlungen nicht ein.

Dass die Weltklimagipfel zur unmittelbaren Senkung der Emissionen führen, was als das einzig wahre Maß für erfolgreichen Klimaschutz gelten muss, ist deshalb praktisch ausgeschlossen. Das gilt auch für die COP26, für den Glasgower Weltklimagipfel, der am Samstagabend mit einem Tag Verspätung endete. Muss man ihn deshalb prinzipiell abschreiben? Vielleicht nicht. Glasgow hat einen Abschlussbeschluss vorgelegt, der erstmals den Finger in die Wunde legt.

Die fast 200 Regierungen erklären, dass die Kohlenutzung heruntergefahren werden muss und dass ineffiziente Subventionen in fossile Energieträger auslaufen müssen. Die Formulierungen sind zwar das Ergebnis von Verwässerung. Dennoch: Es ist ein Fortschritt, wenn eine Weltklimakonferenz anerkennt, dass das Problem bei den fossilen Energien liegt, auch wenn diese Erkenntnis eine Selbstverständlichkeit ist.

Ein formaler Gewinn

Weder wissenschaftliche Studien noch der gesunde Menschenverstand sind rechtsverbindlich. Internationale Beschlüsse aber schon. Kein Land kann gegenüber politischen Partnern oder vor Gericht noch ernsthaft behaupten, nicht davon ausgegangen zu sein, dass ein Kohleausstieg entscheidend sei. Das ist ein Gewinn – wenngleich nur ein formaler. Praktisch ist keine klimaschutzwillige Regierung auf so einen Beschluss angewiesen.

Dennoch gibt es auch Aspekte von Klimakonferenzen, die sich direkt auswirken. Dazu gehört der Streit über Klimageld, das die Industrieländer aufgrund ihres Wohlstands und der hauptsächlichen Verantwortung für die Klimakrise armen Ländern versprochen haben. Dort sind die Mittel bitter nötig, einerseits zur Anpassung an den Klimawandel, andererseits zum Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft. Bisher fließen diese Gelder aber nicht in versprochener Höhe.

Hier setzt der Abschlussbeschluss an, der die reichen Staaten dazu auffordert, die besonders vernachlässigte Finanzierung für die Klimaanpassung zu verdoppeln. Die immer drängendere Frage, wer für Schäden und Verluste durch die Klimakrise aufkommt, landet bisher nur in einem neuen Dialogformat. Das ist enttäuschend, denn es sind diese Fragen um globale Verantwortung und Gerechtigkeit, die keine Regierung allein klären kann. Genau dafür braucht es im Grunde die Weltklimagipfel.

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Jahrgang 1991, ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.

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