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Entschädigung für Guantánamo-HäftlingSymbolischer Sieg für Abu Subaida

24 Jahre nach Festnahme hat die britische Regierung einem Guantánamo-Häftling eine „substanzielle Summe“ gezahlt. Er sitzt weiter ohne Anklage in Haft.

Abu Subaida im Gefangenenlager auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay, Kuba. Das Foto hat sein Anwalt 2016 zur Verfügung gestellt Foto: Marc Denbeaux/ap/picture alliance

Ein Mann, der nackt auf einer Bahre liegt, mit mehreren Gurten festgebunden. Über seinem Kopf ist ein Tuch ausgebreitet, aus einer Flasche wird Wasser darüber geschüttet. Das ist eine der Foltermethoden, die Zain al-Abidin Muhammad Husain, der heute den Namen Abu Subaida führt, während seiner Haft in der US-Strafanstalt Guantánamo Bay auf Kuba gezeichnet hat. Die New York Times veröffentlichte 2019 einige seiner Zeichnungen, was ihm eine gewisse Bekanntheit einbrachte.

24 Jahre nach seiner Festnahme sitzt der 1971 geborene Palästinenser noch immer ohne Anklage in Guantánamo fest. Die britische Regierung hat ihm nun eine „substanzielle Summe“ als Entschädigung gezahlt, wie die BBC am Montag berichtete. Hintergrund war seine Klage gegen die Regierung, diese habe sich der Komplizenschaft bei seiner Folter durch US-Beamte mitschuldig gemacht.

Subaida wurde im Jahr 2002 in Pakistan bei einer gemeinsamen Operation von pakistanischen und US-Einheiten festgenommen. Er wurde verdächtigt, ein hochrangiger Al-Qaida-Terrorist zu sein, der die Terrorattacke am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten mitgeplant hätte.

Von Waterboarding bis zu sexueller Erniedrigung

Nach seiner Festnahme wurde Subaida von den US-Nachrichtendiensten CIA und FBI an verschiedene Orte in sechs Ländern, darunter Thailand, Polen und Litauen verbracht, bis er im Jahr 2006 schließlich in Guantánamo Bay untergebracht wurde. Subaida war der erste Gefangene, an dem die von der CIA so bezeichneten „erweiterten Verhörtechniken“ angewandt wurden – ein beschönigender Ausdruck für Folter. Subaida musste allein 83-mal das sogenannte „Waterboarding“ über sich ergehen lassen, eine Methode, die den Gefolterten glauben lässt, zu ertrinken. Außerdem erlitt er Folter durch brutale Schläge, durch Kälte, Lärm sowie durch Schlaf- und Nahrungsentzug, sexuelle Erniedrigung und Drohungen. Von seiner Folter wurden Aufnahmen angefertigt, die später aber zerstört wurden. Ein Geständnis pressten die Geheimdienste mit den Foltermethoden dennoch nicht aus Subaida heraus.

Später zog die US-Regierung die Behauptung, Subaida sei Mitglied von al-Qaida gewesen, zurück. Dennoch behauptete das Pentagon wiederholt, dass er zu gefährlich sei, um ihn freizulassen. Neben ihm sitzen noch weitere 14 Menschen in Guantánamo ein.

Subaida reichte mehrere Klagen gegen seine Inhaftierung ein. Unter anderem gegen die britischen Nachrichtendienste MI5 und MI6. Obwohl diesen bekannt war, dass die US-Nachrichtendienste Befragungsmethoden anwendeten, die in Großbritannien illegal waren, und Subaida an einem unbekannten Ort festgehalten wurde, schickten die Briten Fragen an CIA und FBI, welche diese Subaida stellen sollten. Dies schuf, laut Subaidas Rechtsberaterin Helen Duffy, eine Rechtfertigung zu seiner Folter.

Am Sonntagabend wurde nun bekannt, dass die britische Regierung sich in einer außergerichtlichen Einigung bereit erklärt hat, Subaida eine Entschädigung zu zahlen. Duffy bezeichnete die Abfindung in einem Interview mit der BBC als Anerkennung des unglaublichen Leids ihres Klienten als Opfer von Folter sowie seines rechtswidrigen Festhaltens seit 24 Jahren. Die Abfindung habe vor allem einen symbolischen Wert, sei jedoch unzureichend, da Subaida weiter in Guantánamo Bay gefangen sei. „Wir erwarten, dass das Vereinigte Königreich alle ihm möglichen Schritte unternimmt, die zu seiner Freilassung führen.“

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