Enthüllungen durch Pandora Papers: Steueroasen an den Kragen
Die Pandora Papers haben den Steuerbetrug der Superreichen aufgedeckt. Die Enthüllungen sind ein Gesamtkunstwerk internationaler Journalist:innen.
S ie haben es getan. Wieder einmal. Es ist ein Scoop – aber einer ohne journalistischen Standesdünkel, ohne Hickhack um die exklusivste, die schnellste Story. Und unter einem äußerst geheimnisvollen Namen. Die Pandora Papers belästigen derzeit die Finanz- und Politwelt. Nach den Panama und Paradise Papers folgte nun der nächste Schlag mit dem P gegen Steueroasen.
Dahinter steckt erneut das internationale Journalist:innennetzwerk ICIJ. Millionen Datensätze von 14 Unternehmen, darunter Kanzleien, hat sich das Reporter:innenteam vorgenommen, monatelang ausgewertet, recherchiert, Superreiche mit ihren zweifelhaften Deals konfrontiert. Zeitgleich wurden die Berichte Anfang der Woche veröffentlicht.
Auch diesmal sind die Enthüllungen äußerst brisant. Mehr als 300 Politiker:innen aus fast 100 Ländern sind unter den Übeltäter:innen, Promis sind dabei, Unternehmer:innen. Sie kommen aus Tschechien, der Ukraine, Russland, Kenia, Kongo, Chile oder Jordanien. Und sie alle stehen im Verdacht, Millionen in Steueroasen zu bunkern oder Geschäfte über sogenannte Briefkastenfirmen abzuwickeln.
Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern zeigen die Leaks, wie das System Selbstbereicherung funktioniert. Es handelt sich um nichts Geringeres als das berühmte Erdbeben, das die über Jahre aufgebauten Oasen des Geldverschiebens erschüttert.Die Praxis ist unlauter, aber nicht zwingend illegal. Das Problem sind die Steuergesetze, die sich jedes Land selbst zusammenzimmert. Gerichte müssen nun klären, ob es sich um Steuerhinterziehung handelt oder um Steuervermeidung.
Schulterklopfen und Solidarität mit Reporter:innen weltweit
Das Leak ist ein weltweites Gesamtkunstwerk, eine Teamarbeit gegen Ungerechtigkeiten, gegen diejenigen, die sich, getrieben von Gier, die Mühe machen, nach Schlupflöchern im Finanzwesen zu suchen – und dabei weltweit auf willige Helfer:innen stoßen. Klar, die aufwendigen Recherchen sind nicht nur selbstloses Interesse von Journalist:innen. Natürlich geht es auch um die volle Ladung Schulterklopfen, das Hoffen auf internationalen Erfolg, um die berühmten „more than five minutes of fame“.
Aber auch darum, über den internationalen Zusammenschluss die Kolleg:innen zu schützen, die in ihren Ländern nicht frei arbeiten können, die bei unliebsamer Berichterstattung mit Repressionen rechnen müssen. So wie etwa in Jordanien. Das Medium, das dort über das Königshaus und die Pandora Papers berichtet hatte, bekam Besuch vom Geheimdienst.
Wann erscheinen die nächsten P-Papers? Sicher ist, sie werden kommen. Mit dem Schmutz bleibt der Drang, diesen zu leaken.
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