Eltern-Lobbyist über Impfungen: „Zwang ist ein schlechtes Mittel“
Kitas sollen die Behörden informieren, wenn Eltern sich gegen die Impfung ihres Kindes sperren. Ein Gespräch mit Norman Heise von der Bundeselternvertretung.
taz/afp | Kitas sollen Eltern, die keine Impfberatung für ihre Kinder nachweisen können, künftig zwingend an das Gesundheitsamt melden. Das sieht der Gesetzentwurf zur Überwachung übertragbarer Krankheiten vor, den der Bundestag in der Nacht zum Freitag verabschiedete. Bisher sind die Einrichtungen nicht dazu verpflichtet. Die Bundesregierung will damit den Druck auf säumige Eltern erhöhen, um Impflücken weiter zu schließen.
taz: Herr Heise, ist das datenschutzrechtlich fragwürdig?
Norman Heise: Gesundheitsdaten von Kindern werden bereits jetzt weitergereicht. Spätestens zur Einschulung müssen Eltern einen Impfpass vorlegen und die Kinder werden ärztlich untersucht. Ob diese Daten jetzt früher oder später generiert werden, finde ich persönlich nicht so wichtig.
Kann Behördendruck impfkritische Eltern zur Einsicht bringen?
Überzeugte Impfgegner schreckt das nicht wirklich ab. Die Meldung bei den Gesundheitsbehörden ist ja auch nicht mit direkten Konsequenzen verbunden. Einen ähnlichen Mechanismus gibt es ja bereits bei den U-Untersuchungen, bei denen Kinder regelmäßig auf Entwicklungsauffälligkeiten untersucht werden. Wenn Eltern diese Arzttermine verpassen, erfolgt auch irgendwann eine Meldung bei den Behörden. Aber daraus ergeben sich ebenfalls keine direkten Konsequenzen. Durch eine Meldung bei den Behörden allein erzeugt man keinen Druck.
Ist Zwang denn überhaupt das richtige Mittel?
Zwang ist immer ein schlechtes Mittel. Wer sich nicht überzeugen lassen will, wird seine Meinung auch unter Druck nicht ändern. Viel wichtiger ist eine freiwillige, mehrstufige Beratung, die über Falschinformationen zum Thema Impfungen aufklärt.
Wie könnte eine solche Beratung aussehen?
Die Gesundheitsämter sollten mit niederschwelligen Angeboten beginnen. Man könnte betroffenen Eltern Infobroschüren zur Impfproblematik zusenden und offene Informationsabende veranstalten. Wenn die Eltern dann nicht reagieren, könnte man Hausbesuche anbieten.
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