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Ein imaginärer Hund auf ProbeHobby Dogging

Nach „Hobby Horsing“ kommt jetzt der neue Trend: „Hobby Dogging“. Er könnte Eltern helfen, den Hundewunsch der Kinder auf die Probe zu stellen.

Foto: Donata Kindesperk/taz

D ie Kinder wollen einen Hund“, sage ich. „Ist doch schön“, sagt Kathrin. „Nein, überhaupt nicht“, sage ich. „Ich dachte, du magst Hunde?“ „Hunde mögen und Hunde haben sind zwei verschiedene Dinge. Du magst ja auch Kinder.“

Wir sitzen mit einem Mango-Shake draußen vor dem ChiMi am Mirbachplatz und lassen uns von der Sonne wärmen. „Das Unangenehme bleibt dann an Johanna und mir hängen“, fahre ich fort. „Bei jedem Wetter raus, die erste Gassirunde um sechs Uhr morgens, auch am Wochenende, wenn man ausschlafen könnte. Tierarztbesuche …“

„Vielleicht unterschätzt du ihr Verantwortungsbewusstsein.“ „Wir hatten mal Urzeitkrebse.“ „Und?“ „Die sind an Unterernährung gestorben.“ Ich nehme einen Schluck von meinem Mango-Shake. „Versucht es doch mal ein paar Wochen mit Hobby Dogging“, sagt Kathrin. „Hobby Dogging?“ Ich sehe sie fragend an. „Das neue Ding nach Hobby Horsing.“ Ich sehe sie weiter fragend an.

„Du kriegst auch gar nichts mit, oder? Ich dachte, du hast Internet, ein Smartphone. Du verbringst definitiv zu wenig Zeit am Handy.“ Dann klärt sie mich auf. Und ich höre staunend zu. „Ernsthaft?“, sage ich, als sie fertig ist. „Die Investitionen halten sich jedenfalls im Rahmen: ein durch Draht verstärktes Halsband an einer durch Draht verstärkten Leine.“

Gassirunde mit der Hundleine

„Man läuft mit einer leeren Leine durch die Gegend?“ „Emotional ist da natürlich viel mehr.“ „Klingt maximal bescheuert“, sage ich. „Meine Kinder zeigen mir doch einen Vogel, wenn ich ihnen mit dem Vorschlag komme.“ „Wenn sie wirklich einen Hund wollen, werden sie nicht Nein sagen.“

Ich überlege. Vielleicht hat Kathrin recht. Vor meinem inneren Auge sehe ich Flora und Marie eine Gassirunde durch den Kiez laufen, sehe sie imaginäre Leckerli einem imaginären Hund zustecken und imaginäre Kackhaufen aufheben. Auf welcher Höhe werden sie das Halsband halten? Wie groß ist der Hund in ihrer Vorstellung? Ein Labrador oder eher ein Pudel?

„Okay“, sage ich. „Die Idee hat was.“ „Na dann.“ „Aber eine Bedingung habe ich.“ „Welche?“ „Du machst Hobby Parenting. Die Baby-born-Puppe leihe ich dir.“

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