: Ein bisschen Raum zum Spielen
KINDER Kinder und Jugendliche aus sechs Nationen bestreiten das internationale Zirkusfestival in Bremen. Mit dabei sind auch zwölf Kinder der „Palästinensischen Zirkusschule“
Fadi Zmorrod, Zirkustrainer
Kinder in den palästinensischen Gebieten haben dem Zirkustrainer Fadi Zmorrod zufolge kaum einen Ort, um ihre Energie und Wut herauszulassen und sich auszudrücken. „Es gibt kaum Plätze für sie zum Spielen, nur die Straße und die ist gefährlich“, sagt der 34-Jährige dem Evangelischen Pressedienst. Zurzeit begleitet er zwölf Kinder zum internationalen Zirkusfestival nach Bremen.
Zmorrod hat deshalb mit seinem Bruder und einer belgischen Zirkusaktivistin im Jahr 2006 die „Palästinensische Zirkusschule“ gegründet. 200 Kinder unterrichten sie in unterschiedlichen Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern.
Die Kinder wollten spielen, betonte Zmorrod: „Sie mögen den Risikofaktor und die Herausforderung.“ Der Zirkus könne ihnen das geben, ohne dabei jemandem weh zu tun. „Sie bekommen einen Raum, wo sie Vertrauen, Respekt, Koordination und Konzentration lernen.“ Der Zirkus sei zudem ein Werkzeug, um gesellschaftliche Risse zu überwinden.
Die palästinensischen Kinder und Jugendlichen litten zum einen unter der Besetzung, zum anderen unter der Kultur, die ihnen nicht viel Platz gebe, sagte Zmorrod. Jungen hätten generell mehr Rechte als Mädchen. „Aber auch die Jungen werden gedrängt, zum Mann zu werden, bevor sie überhaupt ihre Kindheit leben konnten.“ Viele Menschen in Palästina wüssten oft nicht, was ein Zirkus ist. „Sie kennen nur die Bilder aus dem Fernsehen, wo Frauen im Bikini auf einem Trapez stehen.“
Fast jeden Tag unterrichte er in einem anderen Dorf, sagte Zmorrod. Zum Programm gehörten Akrobatik, Jonglage, Tanz und Theater. „Mein Traum wäre es, die Grenzen und Blockaden, die uns in dieser Welt trennen, aufzuheben.“
Beim internationalen Zirkusfestival in Bremen präsentieren insgesamt 80 Jugendliche aus sechs Nationen bis zum 6. August eigene und gemeinsame Shows. (epd)
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