Eckpunktepapier von Fridays for Future: Die Kunst des Nötigen

Fridays for Future legen Eckpunkte für Deutschlands Beitrag zum Kampf für das 1,5-Grad-Ziel vor. Die haben Schwächen, aber einen unschätzbaren Wert.

AktivistInnen mit einem Plakat auf dem I Love ÖPNV steht.

AktivistInnen von Fridays for Future vor dem Verkehrsministerium in Berlin im Oktober Foto: K.M. Krause/snapshot-photography

Die jungen Leute hören einfach nicht auf zu nerven. Erst ließen sich die Fridays for Future auch durch Corona nicht unterkriegen; schließlich organisierten sie wieder Zehntausende allein in Deutschland für einen globalen Streiktag. Und nun legen sie „Eckpunkte“ vor, mit denen Deutschland seinen halbwegs gerechten Anteil daran leisten könnte, den Klimawandel unter 1,5 Grad zu halten. Damit werden sie den Wahlkampf zum Bundestag im nächsten Jahr beeinflussen.

Das Gutachten selbst hat durchaus seine Schwächen. Aber es hat einen unschätzbaren Wert: Mit den 120 Seiten aus dem Wuppertal-Institut werden die AktivistInnen die politische Klasse vor sich hertreiben. Denn es stimmt: Keine Partei hat bisher einen konkreten Plan, was echter Klimaschutz heißen würde. Mit gutem Grund, wenn man sich die Giftliste der FFF ansieht: Welche Partei möchte im Wahlkampf den WählerInnen schmackhaft machen, den Autoverkehr zu halbieren, innerdeutsche Flüge zu verbieten, den CO2-Preis auf 180 Euro zu erhöhen, viermal so viele Windräder und Solarparks zu bauen? Was bislang im Elfenbeinturm der Wissenschaft gefordert wurde, bekommt jetzt politische Relevanz: Denn entweder unterschreiben die Parteien im Wahlkampf diese Forderungen oder es fallen ihnen ein paar kluge Gegenstrategien ein – oder sie geben das 1,5-Grad-Ziel auf.

Für Fridays for Future ist der Forderungskatalog ein wichtiger Schritt: Bisher haben sie argumentiert, von SchülerInnen könne man Rezepte zur Weltrettung nicht erwarten: Die Politik der Erwachsenen solle sich gefälligst an ihre eigenen Versprechen halten und Konzepte finden. Jetzt legen sie selbst Vorschläge auf den Tisch, an denen sich die Parteien messen lassen müssen. Sie halten das Thema in der Debatte und liefern einen Maßstab dafür, wie ernst die Erwachsenen das Thema nehmen.

Angela Merkel hat vor einem Jahr die enttäuschenden Ergebnisse des „Klimapakets“ damit begründet, Politik sei „das, was möglich ist“. Die Fridays for Future zeigen jetzt: Es muss auch das sein, was nötig ist.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben