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Drohungen gegen taz-Journalist:innenMob gegen Presse

Die taz-Autor:innen Mieke Wolke und Aljoscha Hoepfner berichteten über Oldenburger AfD-Kommunalwahlkandidat:innen. Nun werden sie bedroht.

Einen Rückgang an Pressefreiheit konstatiert die Organisation Reporter ohne Grenzen der Bundesrepublik schon seit einigen Jahren. Besonders Akteure aus dem rechtspopulistischen und rechtsextremen Spektrum, die systematische Kampagnen gegen Jour­na­lis­t:in­nen führen, seien dafür verantwortlich. So auch aktuell im Fall der Berichterstattung der taz nord über zwei AfD-Kandidat:innen zur anstehenden Oldenburger Kommunalwahl: Die beiden taz-Autor:innen Aljoscha Hoepfner und Mieke Wolke werden seit ihren Recherchen physisch wie digital verfolgt.

Wenn am 13. September die Oldenburger Wahlberechtigten ihren Stadtrat wählen, stehen auf den Wahllisten der AfD zwei extrem rechte Influencer:innen, die sich um ein Mandat bewerben: Miriam Alexandra Tanski und Felix Wolf. Über deren Internetaktivitäten hatten Hoepfner und Wolke für ihren Artikel „Mit Rassenhass in den Rat“ recherchiert, der am 10. August in der taz nord erschien. Darin schildern die beiden freien Autor:innen, wie etwa Tanski mit Anspielungen und Codes, um die Strafbarkeit zu umgehen, den Holocaust leugnet; wie sie Schwarze Menschen rassistisch beleidigt oder mit „Volksverrätern“ umgehen will. Sich selbst beschreibt sie als „gesichert rechtsextrem“ – und dass ihre Posts angeblich alle nur „Satire“ sein.

Auch Wolf propagiert rechtsextreme Positionen, schreibt über „Schuldkult“ und die „Zionisten-Ära“. In einem Podcast spricht er vom „Bevölkerungsaustausch“, der unter anderem von dem jüdischen Investor George Soros gelenkt werde. Der 29-Jährige sitzt im Landesvorstand der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland.

Hoepfner und Wolke hatten im Zuge ihrer Recherchen nicht nur bei der AfD um eine Stellungnahme angefragt, sondern auch bei Tanski und Wolf. Wolf hat auf die Anfrage nicht geantwortet. Tanski hat nur mit einem „Daumen hoch“ reagiert.

Gedoxt und bedroht

Statt die Fragen der Journalisten zu beantworten, versuchten Wolf und Tanski nicht nur, derlei Posts auf der Plattform X zügig zu löschen. Noch bevor der Artikel veröffentlicht wurde, kundschaftete Tanski ein Wohnhaus aus, von dem sie vermutet, dass Hoepfner darin wohnt. Das zeigen spätere Posts. Es wurden in der Folge Informationen über das Wohnhaus und vermeintliche weitere Be­woh­ne­r:in­nen öffentlich verbreitet. Kurze Zeit später schlich sich nachts eine vermummte Person auf das ausgekundschaftete Grundstück.

Und Wolke wurde in den sozialen Medien bedroht und gedoxt. Unter Doxxing versteht man die Veröffentlichung privater oder geheimer Daten einer Person ohne Erlaubnis im Internet.

Wir gehen davon aus, dass der Zweck dieses Einschüchterungsversuchs war, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern.

Aljoscha Hoepfner, freier taz-Autor

Hinzu kommt: Ein unbeteiligter Journalist wurde aufgrund eines Fotos fälschlicherweise als Aljoscha Hoepfner identifiziert, obwohl es sich tatsächlich um eine andere Person handelt.

Besonders ein rechter Szene-Influencer versuchte Hoepfner und Wolke einzuschüchtern, postete nicht nur beleidigende Nachrichten auf X, sondern veröffentlichte auch jene Informationen über Hoepfner, die anscheinend Tanski bei ihren Ausspähungen an Hoepfners vermeintlicher Adresse gesammelt hatte. „Dass Tanski diese Informationen weitergegeben hat, ist angesichts der zeitlichen Umstände und vor dem Hintergrund, dass wir über ihre politischen Ansichten berichten wollten, sehr wahrscheinlich“, sagt Hoepfner.

Über mehrere Tage zog sich die digitale Einschüchterungskampagne. Auch wenn etwa ein heimlich aufgenommenes Foto oder ein KI-generiertes Video mittlerweile gelöscht wurde, sind andere private Informationen dennoch in der Welt und werden in der rechten Szene geteilt.

„Wir gehen davon aus, dass der Zweck dieses Einschüchterungsversuchs war, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern“, sagt Hoepfner. Geklappt hat das nicht. Tanski ist, nicht ganz freiwillig, nach der Veröffentlichung des Berichts aus der AfD ausgetreten – selbst der AfD waren Tanskis Posts eigenen Angaben nach zu extrem. Der AfD habe sie erklärt, ein mögliches Ratsmandat nicht anzunehmen. Auf dem Wahlzettel steht sie nämlich nun dennoch, die Fristen für eine Änderung sind bereits abgelaufen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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