Dringliche Fragen zu den Winterspielen: Im Gespräch mit der Olympic AI
Ein olympischer KI-Chatbot zieht die Tränen von IOC-Präsidentin Coventry in Zweifel. Einen Dopingfall gibt es nicht. Sowieso läuft alles bestens.
Foto: Fatima Shbair/ap
D ie eine oder andere Frage hat sich bei mir aufgetan im Verlaufe dieser Winterspiele. Umso dankbarer bin ich für das Angebot, das die Olympia-Organisatoren allen über ihre Website macht: „Treffen Sie Ihren Olympic-AI-Assistenten.“
Schnell kommen wir ins Gespräch und binnen kürzester Zeit stelle ich fest, wie gut dieser KI-Chatbot vorbereitet ist. So viel trainiert hat möglicherweise kein anderer Olympiateilnehmer. Die chinesische Handelsplattform Alibaba, ein Hauptsponsor des IOC, hat den Chatbot zur Verfügung gestellt, wie ich unter den rechtlichen Hinweisen erfahre.
Was mich wirklich brennend interessiert: Warum hat die IOC-Präsidentin Kirsty Coventry geweint, als sie den ukrainischen Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch von den Olympischen Spielen ausgeschlossen hat? Umgekehrt wäre das für mich nachvollziehbarer gewesen.
Es dauert fast 20 Sekunden, bis Olympic AI antwortet. Vermutlich müssen einige Filter durchlaufen werden: „Es gibt keine bestätigten Berichte oder offiziellen Quellen, die belegen, dass Kirsty Coventry nach der Disqualifikation von Heraskewytsch geweint hat. Die Behauptung, sie habe Tränen vergossen, ist nicht verifiziert und wird durch die aktuellen Daten nicht gestützt.“ Alles also nur Fake News? Hat denn Kirsty Coventry überhaupt schon mal geweint, frage ich.
Tiefgründig
Olympic AI erinnert an emotionale Momente in der Karriere der ehemaligen Schwimmerin, die mit Tränen verbunden gewesen seien, und an die Eröffnungsrede der Winterspiele in Mailand – „ein weiterer emotionaler Höhepunkt“. Und Olympic AI führt aus: „Ihre Worte – insbesondere die Botschaft ‚I am because we are‘ wurden von vielen als tiefgründig und inspirierend wahrgenommen. Die emotionale Kraft ihrer Rede spiegelte ihre lebenslange Verbundenheit mit dem olympischen Geist wider.“
Wer beginnt da nicht, diese von vielen auch gescholtene Frau mit anderen Augen zu sehen und die jüngsten Berichte über die positive Dopingprobe der Biathletin Rebecca Passler in Zweifel zu ziehen. Also raus mit der Sprache, lieber olympischer Chatbot, gab es bei diesen Winterspielen überhaupt einen Skandal? Wieder nach einiger Bedenkzeit heißt es: „Laut den offiziellen Quellen und aktuellen Berichten verlaufen die Spiele in Milano Cortina 2026 reibungslos, ohne öffentlich bekannt gewordene Vorfälle im Zusammenhang mit Doping, Wettkampfentscheidungen, Fehlverhalten oder organisatorischen Problemen.“ Die Spiele seien bislang ein Erfolg „geprägt von einer starken operativen Umsetzung, einer begeisterten Beteiligung der Öffentlichkeit und einer lebendigen kulturellen Atmosphäre“.
Es mag immer welche geben, die auch jetzt noch auf die Olympia-Macher einprügeln wollen. Denen sei ein Blick ins Kleingedruckte, auf die rechtlichen Hinweise empfohlen. Dort heißt es, der Chatbot könne „ungenaue, unvollständige oder voreingenommene Ergebnisse liefern“. Mehr Transparenz geht wohl kaum.
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