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Der Chef der rechtsextremen Partei Rassemblement National Jordan Bardella bestreitet nach wie vor, sich als junger Mann antisemitisch geäußert zu haben
Foto: Sarah Meyssonnier
Aus Paris Rudolf Balmer
Noch spielt Jordan Bardella, der Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National (RN) die Rolle des empörten Biedermanns, der von einer böswilligen Gerüchteküche verunglimpft wird. Zu Monatsbeginn hatte das politisch linke französische Onlinemagazin Mediapart Diskussionen und Empfehlungen Bardellas auf Facebook und in seiner E-Mail-Kommunikation aus den Jahren 2013 bis 2015 publiziert. Diese entlarvten ihn als jugendlichen Antisemiten. Allein die politische Ausrichtung von Mediapart macht seiner Ansicht nach diese Enthüllungen völlig unglaubwürdig.
In seinem kategorischen Dementi war sich Bardella seiner Sache sicher und kündigte sogleich eine Verleumdungsklage an. Die Vorwürfe, er habe als junges Mitglied des damaligen Front National von Jean-Marie Le Pen Antisemitismus verbreitet und beispielsweise geschimpft, alle Banken gehörten den Juden, seien Fälschungen, behauptet Bardella bis heute.
Die RN-Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und die gesamte Parteiführung stellten sich geschlossen hinter ihn. Doch offensichtlich ist Bardella, und mit ihm auch Marine Le Pen, in eine wohl absichtlich gestellte Falle getappt. Denn Mediapart war in der Lage zu beweisen, dass es sich bei den zitierten antisemitischen Äußerungen nicht um Fakes handelt und Bardella in der fraglichen Periode unter dem Einfluss des notorischen Judenhassers Alain Soral stand.
Je energischer Bardella sich nun wehrt und alles als Verleumdung zurückweist, desto mehr verstrickt er sich in seine eigenen Lügen. Dabei hatten die Journalisten von Mediapart ihn und seine Partei gewarnt und von Anfang an angekündigt, sie würden – gegebenenfalls auch vor Gericht – alle Belege aus sicheren Quellen vorlegen.
Und während Bardella immer noch alles rundweg abstreiten wollte, publizierte Mediapart mehrere beglaubigte Dokumente, die namentlich aus dem Archiv von Facebook sowie Diskussionen per E-Mail stammen. Auch dass die dabei verwendeten User-Konten Bardella selber gehörten, konnte Mediapart belegen. Andere französischen Medien wie Libération und Le Canard enchaîné überprüften den Wahrheitsgehalt der Enthüllungen und lieferten zusätzliche Belege und Fakten, um Bardellas Ausreden zu widerlegen.
Er hatte zunächst angegeben, nicht Autor dieser antijüdischen Äußerungen zu sein, aber auch behauptet: „Es ist falsch, dass ich 2012 bis 2013 für die Partei aktiv war.“ Nur hat aber der Rundfunksender Radio France International (RFI) in seinem Archiv eine Reportage von einer Wahlkampagne 2013 im Pariser Vorort Gagny gefunden. Dort wird ein junger, sehr engagierter Flugblattverteiler des FN namens Jordan Bardella interviewt. Nach dem Gespräch kontaktierte er die RFI-Journalistin und bot ihr an, einen Kontakt zu seinen Parteifunktionären zu vermitteln.
Bardella steht als Lügner da. Marine Le Pen hat ihn aber deswegen nicht fallen lassen. Auch alle anderen Sprecher des RN bleiben bei der Version, es handle sich um eine politisch voreingenommene Verleumdungskampagne.
Noch immer gilt Bardella als designierter Premierminister, falls die RN-Kandidatin im Mai 2027 Staatspräsidentin werden sollte. Dass ein zukünftiger Regierungschef nicht zu den antisemitischen Ressentiments in seiner früheren Jugend stehen mag und dabei ungeniert lügt, scheint für sie kein Problem zu sein.
Und offenbar auch für Le Pens und Bardellas Anhänger*innen nicht. Le Pens Popularitätswerte haben laut der jüngsten Umfragen wegen der Antisemitismus-Enthüllungen und den wahrheitswidrigen Entgegnungen kaum gelitten. Sie bleibt mit 33 bis 35 Prozent haushohe Favoritin für den ersten Wahlgang und würde nach derzeitiger Ausgangslage gegen alle denkbaren Gegner auch die Stichwahl gewinnen.
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