Direktorin über weibliche Tour de France: „Vergleichen, was vergleichbar ist“

Die Tour de France gibt es nun auch für Frauen. Die frühere Radsportlerin Marion Rousse plant die Rundfahrt 2022 – und sagt, worauf es dabei ankommt.

Radsportlerinnen warten auf den Start

Das war noch ein anderes Format: La Course by Le Tour de France Foto: Stephane Mahe/Reuters

taz: Marion Rousse, wie hat sich Ihr Leben geändert, seitdem Sie zur Direktorin der Tour ernannt wurden?

Marion Rousse: Oh, ich habe jede Menge zu tun. Es ist natürlich eine Ehre für mich, Direktorin der Tour de France der Frauen geworden zu sein. Ich kenne das Peloton seit vielen Jahren, ich habe es in den letzten Jahren wachsen und sich entwickeln sehen. Ich bin sehr glücklich, zur weiteren Entwicklung beitragen zu können. Die Tour de France der Frauen wurde seit vielen Jahren erwünscht und erhofft. Jetzt die Direktorin zu sein ist etwas, was ich niemals erwartet hätte.

Sie bereiten jetzt die Premierenausgabe vor …

Ja, natürlich …

Marion Rousse ist eine ehemalige französische Radrennfahrerin, französische Meisterin von 2012. Inzwischen verheiratet, Mutter eines Sohns und Direktorin der Tour de France der Frauen.

Oder denken Sie schon an die nächsten 100 Jahre? Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France der Männer, und Sie selbst haben angekündigt, mit der Frauen-Tour möge ein Event geschaffen werden, der auch für die nächsten 100 Jahre und mehr Bestand haben soll. Also, denken Sie eher an 2022 oder schon an 2122?

Es stimmt, es geht darum, ein Rennen zu schaffen, das lange Bestand hat. Es geht darum, es ökonomisch so aufzustellen, dass es, wie es bei der Tour de France der Männer schon geglückt ist, eine lange Dauer hat. Das hat die oberste Priorität.

Was waren die größten Herausforderungen für diese Tour der Frauen? Etappenstädte zu überzeugen? Eine Strecke zu finden, die nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ist? Das Geld aufzutreiben?

Die Städte waren sehr aufgeschlossen. Bei der Organisation des Parcours war es natürlich sehr hilfreich, dass die ASO auch schon die Tour der Männer ausrichtet. Wir haben auch die gleichen Medienpartner. In den kommenden Jahren werden wir sicher noch mehr Partner haben, so dass auch das Budget wachsen kann.

Wie hoch ist das Budget momentan?

Das kann man nicht so genau sagen, es ist auch nicht komplett aufgestellt.

Man weiß von der Tour der Männer, dass die Etappenstädte dort beträchtliche Summen an die Organisatoren zahlen. Ist dies auch bei der Tour der Frauen so?

Ja, natürlich. Sie müssen eine bestimmte Gebühr bezahlen, um Etappenort zu werden. Ich denke, es wird auch eine ganz besondere Aufmerksamkeit generieren für die Städte, die uns empfangen. Es ist eine enorme Möglichkeit.

Sind die Prämienzahlungen für die Fahrerinnen die gleichen wie für die Sieger und Platzierten bei den Männern?

Man sollte das vergleichen, was vergleichbar ist. Die Männertour geht über drei Wochen, die Frauentour über acht Tage. Man kann das mit der Dauphine-Rundfahrt oder Paris– Nizza vergleichen. Das ist die gleiche Anzahl der Renntage. Und wir zahlen da die dreifache Summe gegenüber den kleinen Rundfahrten der Männer aus.

Beim Parcours musste eine gute Balance gefunden werden. Er sollte nicht zu schwer sein, damit am letzten Tag bei der Bergetappe zur Planche des Belles Filles noch ein großes Peloton beisammen ist. Zu leicht sollte es aber auch nicht werden. Sind Sie zufrieden mit der jetzigen Strecke?

Ja, klar, wir wollten etwas schaffen, das kohärent ist. Wir haben die Berge am Ende, das sorgt für Spannung. Insgesamt ist es ein ausgewogener Parcours. Es gibt Etappen für Sprinterinnen, Gelegenheiten für Ausreißergruppen, und am Ende kommen die Berge. Die Frauen, mit denen ich bei der Präsentation der Strecke gesprochen habe, waren superzufrieden damit.

Sind Sie traurig, dass Sie selbst nicht in Rennkleidung am Start stehen? Sie waren ja selbst Profiradsportlerin, wurden französische Meisterin und sind mit 30 Jahren eigentlich im besten Rundfahrerinnenalter. Reizt Sie da nicht ein Comeback?

Nein, ich werde nicht zurückkommen, ich habe einmal diese Entscheidung getroffen. Ich bin glücklich, jetzt eine andere Rolle im Radsport zu übernehmen. Als ich noch aktiv war, hätte ich natürlich gern an einer Tour de France teilgenommen. Aber jetzt fahre ich sie im Auto.

Sie haben mit 24 Jahren aufgehört, warum so früh?

Ganz einfach, damals war ich bei Lotto Soudal, ich habe aber auch schon für das Fernsehen gearbeitet, um meine Rechnungen bezahlen zu können. Morgens habe ich trainiert, und danach kam der Job. Das war schon ermüdend. Und am Ende merkte ich, dass man, wenn man zwei Dinge parallel macht, man beides nicht gut macht. Ich musste eine klare Entscheidung treffen.

Wann werden die Frauen eine dreiwöchige Tour de France haben? Die Forderung danach gibt es ja seit Längerem.

Ehrlich gesagt, denken wir jetzt noch nicht über drei Wochen nach. Schon mit acht Renntagen wird es nicht einfach. Ich denke, es ist gut, so zu beginnen. Da geht es nicht nur darum, was die Fahrerinnen selbst leisten müssen. Es geht auch um die ganze Logistik, den Transport, die Übernachtungen, die Sicherheit an der Rennstrecke. Und dann werden wir in den nächsten Jahren sehen, wie sich das entwickelt, wie auch die Sponsoren kommen. Und wenn wir dann ein größeres Budget haben, kann man wachsen. Aber im Moment planen wir mit acht Renntagen.

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