Die Wahrheit: Geld!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wenn ein Kind die Arbeit des Vaters unterstützen, ja antreiben und eigentlich vorzeitig beenden will, kann es zu Zeichengewittern kommen.

Das Kind will mir beim Schreiben helfen. Das heißt, eigentlich will es nur mein Handy haben, um damit Spotify zu hören: „Daffichspotifeihöan?“, ist inzwischen ein Running Gag, über den ich nicht mehr lachen kann. Alle Versuche, das Mädchen mit dem Zauber des Vinyls bekannt zu machen, sind an der mangelnden Praktikabilität der Schallplatte gescheitert. Ständig soll ich „mal zurückspulen“, „auf Pause stellen“ oder gleich „den altmodischen Quatsch ausmachen“.

Das Handy mag ich auch nicht herausrücken, weil ich es zum Arbeiten brauche. Könnte ja jemand anrufen. Und aus Prinzip. Also will das Kind wissen, ob es mir beim Schreiben helfen könne. Je schneller ich fertig bin, so das Kalkül der kleinen Kanalratte, umso eher könnte ich mein Handy entbehren.

Ich lehne mich seufzend zurück und setze das Kind davon in Kenntnis, dass es sich beim Schreiben um eine hochkomplexe Angelegenheit handelt, für die das präpubertäre Spatzenhirn noch nicht ausgelegt ist: „Vermutlich wirst du das nie können, Herzchen. Vergiss nicht, du bist nur ein Mädchen. Mädchen können so was nicht“.

Das Mädchen setzt einen mitleidigen Blick auf. Den Trick mit der umgekehrten Psychologie kennt sie auch schon. Seitdem lebt das Kind in dem Glauben, das weiße Papier bedeutend schneller füllen zu können als der alte Sack. Ich mache eine wegscheuchende Handbewegung, unterstützt durch ein wegscheuchendes Geräusch, weil ich jetzt wirklich diese Kolumne hier schreiben muss.

Nun stemmt sich das Kind mit seinem Oberkörper gegen meinen Oberkörper, weshalb sich mein Drehstuhl auf Rollen in Bewegung setzt. „Ich habe eine Idee!“, verkündet das Kind, „Pass auf!“. Mit flitzenden Fingern findet es die Shift-Taste und tippt.

GELD.

„Geld?“, frage ich, „Ich das alles?“. Das Kind zuckt mit den Schultern: „Du machst das doch für Geld, oder?“ Ich denke an die 54,80 Euro, die ich mit dieser Kolumne verdiene, und nicke wichtig: „Allerdings. Ich muss aber rund 2.800 Zeichen liefern. Fehlen also noch 2.796.“ – „Wie viel ist das?“ – „So ungefähr eine Seite, und deshalb muss ich jetzt wirklich …“, aber schon findet das Balg die richtige Taste und lässt den Finger darauf liegen.

GELD!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Bevor ich dem Gör nachweisen kann, dass das noch immer nicht die erforderliche Zeichenzahl ist, erhöht es flink die Schriftgröße von 11 auf 72, deutet triumphierend auf den Bildschirm und sagt: „Da. Eine Seite. Fertig. Kann ich jetzt dein Handy haben?“

Ich reiche dem Mädchen das Gerät und betrachte ihr Geschreibsel. Irgendwas, denke ich, hat sie besser begriffen als ich. Ich weiß nur noch nicht genau, was.

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kari

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