Die Wahrheit: Der Schamhaar-Shop

Neues aus Neuseeland: Huruhuru ist nicht die verspätete Kiwi-Rock-Antwort auf Guru Guru, sondern falsch verstandenes Maorisch.

Diese Woche ist die alljährliche Māori language week in Aotearoa. Die Tageszeitung The Press erscheint sieben Tage lang unter dem Titel „Te Matatika“ und ihre Webseite Stuff als „puna“, was viel schöner klingt, weil es „frische Quelle“ und nicht nur „schnödes Zeugs“ bedeutet. Alle machen mit und feiern sich auf maorisch, was viel besser ankommt. Nur ein Geschäft in Wellington nicht. Das hat Ärger mit seinem Eingeborenennamen.

Huruhuru heißt der neue Lederwaren-Laden auf der trendigen Cuba Street. Die Besitzer Aynur und Ercan Karakoc aus der Türkei haben ihn im Juli eröffnet. Der Name ihres neuen Business bedeutet auf Maori Wolle, Fell oder Haar, denn eigentlich sollte es ein Wollartikelladen werden. Jetzt ist es jedoch ein Skandal-Shop. Denn „huruhuru“ beschreibt auch die Wolle zwischen den Beinen: umgangssprachlich bedeutet es „Schamhaar“.

Dumm gelaufen. Letztes Jahr hatten die Unternehmer sich beim Intellectual Property Office of New Zealand (Iponz) beraten lassen, damit sie ein Schafe-Logo mit dem nun plötzlich anstößigen Wort benutzen können, das auch im berühmten Haka, dem Ritual „Ka Mate“ auftaucht. Dass es eine Doppeldeutigkeit gebe, habe ihnen niemand gesagt – auch nicht das Maorikomitee von IPonz, das normalerweise an Maorisprach­experten verweist.

Die Taschenhändler sind nicht die Einzigen, die jetzt öffentlich für den Fauxpas beschimpft werden. Auch die kanadische Brauerei Hell’s Basement hat sich an Huruhuru vergriffen und danach ihr neuseeländisches Pale Ale benannt. TV-Promi Te Hamua Nikora war einer von vielen, die sich beschwerten: „Nenn es Leder, wenn du Leder verkaufst, und nicht Schamhaar. Und nenne Bier nicht Schamhaar, außer du stellst es aus Schamhaaren her.“

Kia ora, Mate

Dem lässt sich hinzufügen: Und bewerbe Softdrinks lieber nicht mit einem Todesgruß. Vor zwei Jahren ging ein Marketingversuch von Coca-Cola nach hinten los, als die Firma einen Getränkeautomaten in Neuseeland aufstellte, auf dem halb englisch, halb maorisch „Kia ora, Mate“ stand. Was als „Hallo, Kumpel“ gemeint war, bedeutet – siehe Haka – auf Maori jedoch Tod. Hallo, Kulturbanausen!

Die Feinheiten der indigenen Sprache gehen nicht nur Türken, Kanadiern und US-Amerikanern verloren. Auch Kiwis greifen manchmal ins Klo – oder wohnen gar in einem. Da das Maorimakron – also der Strich über einem Vokal, so wie der Umlaut im Deutschen – oft unterschlagen wird, verändert sich dadurch mit der Schreibweise auch die Aussprache.

Über 500 Maoriortsnamen wurden seit letztem Jahr mit dem Makron versehen. Christchurch heißt korrekt Ōtautahi und wird auch von der Bürgermeisterin bewusst so genannt.

Schreibt man jedoch Ruakākā ohne Striche überm „a“, bedeutet der Name des Dorfes auf der Nordinsel nicht mehr das Nest eines einheimischen Papageis, sondern Plumpsklo. „Kaka“ – das versteht man international.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Anke Richter ist Wahrheit-Kolumnistin, Buch-Autorin und Mitglied von Weltreporter.net in Neuseeland. Zuletzt erschien von ihr die Auswanderersatire "Was scheren mich die Schafe. Unter Neuseeländern - Eine Verwandlung" (Kiepenheuer & Witsch).

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben