Die Wahrheit: Grüne Tante gegen Viren

Wie gesundheitsschädlich ist eigentlich so ein Text? In der Zeitung. Oder online. Können auch Buchstaben gefährlich werden und anstecken?

Man kann diesen Text ohne Ansteckungsgefahr lesen, denn ich schreibe mit frisch gewaschenen Händen. Ja, auch zwischen den Fingern und bis über die Handgelenke. Danach abgetrocknet mit frischem Handtuch und die Hände imprägniert. Nein, sterilisiert! Am besten wäre natürlich, man könnte die oberste Hautschicht abziehen, aber der Mensch ist kein perfektes Wesen.

Halten Sie trotzdem Abstand zum Papier. Wer weiß, wer im Produktionsweg auf die Zeitung geniest hat. Nur knapp an der Ellenbogenbeuge vorbei, und – zack – sitzen Virus und Bazillus Seite an Seite vergnügt auf der Seite! Bitte? Ja, natürlich hatte ich die PC-Tasten vorher ebenfalls imprägniert! Geschrubbt regelrecht! Mit Ata! Die Älteren werden sich erinnern. Ata und Grüne Tante sind alte Hausmittel gegen jeden Virus.

Die Textdatei habe ich via Internet versendet – bin ich wahnsinnig und bringe die direkt in die Redaktion? Wer weiß, wem im Verlag mein Redakteur die Hände geschüttelt hat. Auf dem Weg durchs World Wide Web könnte ein Virus auf die Datei gesprungen sein, aber zu Ihrer Beruhigung: Internet-Viren können Menschen nicht infizieren. Oder doch?

Ist nicht das Internet schon sein eigener Virus? Es setzt uns zumindest Flöhe ins Ohr. Und ein Floh kann Krankheiten übertragen, zum Beispiel den Hunde-Gurkenkernbandwurm.

Zwar nur auf Hunde, aber in Zeiten wie diesen sind wir alle anfällige Säugetiere. Und man weiß nie. Mit dem Coronavirus hatte keiner gerechnet, und der stammt auch vom Tier.

Sars-CoV-2 ist vor allem ein Testfall für die Menschheit. Die in Quarantäne sind kurz vor dem Lagerkoller, die ohne Quarantäne frohlocken, dass sie selber draußen sind, aber die anderen drinne.

Und dann die Hamsterkäufe. Hamsterkauf heißt: Ich will es haben, denn den anderen gönne ich es nicht! Aber glauben wir in der BRD denn wirklich, es könnte zu einem echten Lieferengpass kommen? Steht der Deutsche kurz vor der Hungersnot? Wir wollen Wohlstand und Sicherheit, den anderen gönnen wir es nicht. Wir sitzen nicht im Lager in Griechenland, wir sind auf dem Weg zum Aldi und wollen die letzten Nudeln kaufen.

Meine Apothekerin stand fassungslos vor mir, ich hatte aus Spaß gesagt: „100 Mundschutze bitte. Falls das der richtige Plural ist!“ Dann lachte sie kurz und sagte: „Herr Gieseking, Sie machen Witze, aber vor fünf Minuten war ein Ehepaar hier und hat für 300 Euro eingekauft. Ich habe denen gesagt: ‚Ich kann Ihnen nicht mehr Desinfektionsmittel verkaufen. Ich kriege die nur schwer nach, und andere wollen auch.‘ Das war denen egal. Die sind jetzt sauer auf mich. Aber das ist mir egal.“

Vorbei sind die Zeiten der Nachbarschaftshilfe: „Kannst du mir ein paar Eier leihen?“ Kühltruhen dagegen gehen wie verrückt! Leute, kommt runter! Warum ich mich nicht sorge? Ich versuche seit Jahrzehnten, im Lotto zu gewinnen, da sind die Chancen ähnlich. Ausgerechnet bei Corona soll es klappen?

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Der Kabarettist und Autor Bernd Gieseking steht seit über zwanzig Jahren auf der Bühne. Er schreibt Kolumnen für die »Wahrheit«-Seite der »taz«, Kinderhörspiele für den WDR Hörfunk sowie Bücher – und die am liebsten über Finnland: »Finne Dich Selbst!« und »Das kuriose Finnland-Buch«, alle erschienen im Fischer Verlag. Wenn er nicht schreibt, dann tourt er mit seinen Kabarettprogrammen »Gefühlte Dreißig«, »Finne Dich Selbst!« sowie - jeweils in den Wintermonaten - mit seinem alljährlichen satirischen Jahresrückblick »Ab dafür!« durch die Republik.

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kari

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