Die Wahrheit

Drachenschwanzwurf nach Tifliser Art

Der Massenjubel beim Wahrheitklubtreffen auf der Frankfurter Buchmesse zog georgische Heilige und Paradiesvögel an.

Leute mit Masken und Schnurrbärten

Schnauzgekrönt von links nach rechts: Wurfsiegerin Franziska, Exekutivvorstand Ringel, Wurfsieger Michael und Katharina, Cartoonist ©Tom, Exekutivorgan Wolff und Paradiesvogel Rattelschneck Foto: Burghard Mannhöfer

Die folgende Mitteilung des Wahrheitklubvorstands darf nur von Vollmitgliedern gelesen werden. Nichtmitgliedern ist es streng untersagt, den Textinhalt zur Kenntnis zu nehmen.

Sie waren in Scharen gekommen, sie labten sich am Schampus und es blieb keine Kontaktlinse trocken: Das 4.357. Wahrheitklubtreffen auf der Frankfurter Buchmesse als Erfolg zu bezeichnen, spottet jeder Beschreibung. Doch der Reihe nach und das Wichtigste zuerst: Vorstandsvorsitzender ©Tom war nach einem einjährigen Aufenthalt in einer Brandenburger Beautyfarm wieder am Stand der taz vertreten und übernahm, professionell unterstützt von Exekutivorstand Michael Ringel und dem gerade so würdig in die Jahre gekommenen Exekutivorgan Harriet Wolff, die ludische Leitung des Klubtreffens. Letzteres gehört noch weit vor dem ebenso legendären Messe-Kalenderabreißabend des Bastei Lübbe Verlags zum absoluten It-Ereignis dieser global sich gerierenden Veranstaltung.

Nachdem Exekutivvorstand Ringel unter wohlwollendem Getrampel der Wahrheitaficionados und mithilfe des famosen Laminators das Klubtreffen eröffnet hatte, wogte der Jubel ins schier Unermessliche, als der Vorstand bekanntgab, dass der Wahrheitklub auch 2019 keine neuen Mitglieder aufnehmen wird. Verbunden war die Ankündigung mit der Bitte, keine lebenden Klubmitglieder in die Ewigen Jagdgründe zu befördern, nur um endlich nachrücken zu dürfen.

Paradiesischer Preisträger

Nächster Glanzpunkt im Programm war die Übergabe des Jieper-Preises. Wie immer musste vor der Buchmesse beim Wahrheit-Unterbringwettbewerb ein Nonsenssatz in einem Medium untergebracht werden. Da das komplett unbekannte Georgien 2017 Gastland der Messe war, lautete der Satz: „Ohne Igel an den Orgeln keine Orgien in Georgien.“ Unterstützt von reger Twitter-, Stille-Post- und Mund-zu-Mund-Propaganda hatten sich in diesem Jahr mehr als 50 und weniger als 1.000 Kolleginnen und Kollegen aus diversen deutschen Medien- und anderen Zünften an dieser anspruchsvollen Aufgabe beteiligt. Eindeutiger Sieger: Das christliche Berliner Radio Paradiso. Es hatte jüngst verkündet, dass am Tag des offenen Denkmals „die evangelische Kirche zu Tempeldorf Orgelführungen anbietet“ – unter dem bekannten Motto: „Ohne Igel an den Orgeln keine Orgien in Georgien.“ Tempeldorf gibt es doch in Wahrheit gar nicht, oder?

Das Wahrheit-Sause endete mit enorm viel Schampus und Apfelsaft

Da der paradiesische Preisträger leider verhindert war, auf der Messe den verdienten Jieper-Preis – eine Flasche Brandy der Marke „Gran Duque d’Alba“, intern auch „die große Ente“ genannt, entgegenzunehmen, kam alles anders. Die nicht existente Showtreppe am taz-Stand flatterte plötzlich der allseits geschätzte Paradiesvogel Rattelschneck herab, seines Zeichens Cartoonist der Wahrheit. Angetan mit einem Multicolor-Heiligenschein, Federboa und einer sakrisch-schönen Vogelmaske nahm der Paradiesvertreter keine Flasche entgegen. Die „große Ente“ war in der Wahrheit-Redaktion in Berlin verblieben. Tusch!

Mit heiligen Pranken

Weiterer Höhepunkt des wie stets frenetisch sich gerierenden Klubtreffens: Vorstandsvorsitzender ©Tom spielte nach einjähriger Pause endlich wieder eines seiner gefürchteten Spielchen aus. Georgisches Motto dieses Mal: Drachenschwanzweitwurf nach Art von Tiflis. Natürlich hatte der Heilige Georg da seine Pranken im Spiel! Die von ©Tom mitgeführten rotschwarzen Drachenschwänze wurden unter fett Applaus von den todesmutigen und zum großen Teil minderjährigen Mitspielern doch recht weit durch den taz-Stand geschleudert. Die unabhängige Jury aus Exekutivvorstand Ringel, Exekutivorgan Wolff und Vorstandsvorsitzendem ©Tom, zur Feier des Tages verziert mit unauffälligen georgischen Stalin-Schnauzern, war sich über die finalen Längen der Drachenschwanzweitwürfe sofort einig. Die bejubelten und mit vielen ©Tom-Produkten beschenkten Sieger hießen deshalb: Franziska und Katharina aus dem nordrheinwestfälischen Warburg und der lederbehoste Michael aus dem idyllisch hessischen Oberursel. Wir gratulieren an dieser herausgehobenen Stelle noch einmal ganz herzlich!

Das Wahrheitklubtreffen endete, wie es begonnen hatte: mit enorm viel Schampus und Apfelsaft – allerdings das allererste Mal ohne Beanstandungen der Frankfurter Buchmesseleitung. Auftrag genug, im nächsten Jahr noch stärker über die Stränge zu schlagen. Bis dahin gilt deshalb das bewährte Wahrheitmotto: „Ridentem dicere verum!“ Und bleiben Sie uns weiterhin gewogen, denn Sie wissen ja: „Ohne Igel an den Orgeln keine Orgien in Georgien.“

Die Wahrheit auf taz.de

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