Die Wahrheit: Wühlige Wellness
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über Probleme der Schönwerdung erfreuen.
Was willst du bloß, Schönling? Ich weiß es doch nicht,
wie ich die Haare gern hätte.
Ja kürzer halt, oder? Und nicht zu licht.
Damit nicht die Kopfhaut erkennbar durchbricht.
Das wäre ne nette Facette.
Und frag auch nicht andauernd, „ob es so geht“.
Ich kann's ohne Brille nicht sagen.
Und hör schlecht, weil's links von mir unglaublich weht.
Da werden stürmische Locken gedreht.
Der Fallwind ist kaum zu ertragen.
Es muss eine Wellness her beim Friseur,
mit affiger Schädelmassage.
Doch Rubbeln und Zupfeln, die kreuz und die quer,
samt Cream-Gel und anderem Zubehör,
verwellnessen nicht die Visage.
Mach's kürzer! Werd fertig! Verstehst du, Barbier?
Ich will hier nicht ewig verweilen.
Und mogel nix drauf, keinen pappigen Schmier.
Das gereicht meinem schütteren Haar nicht zur Zier.
Man kann mich am Kopf nicht mehr stylen.
Nun zeig mich im Spiegel von hinten, du Geck.
Und hoffentlich wird's mir gefallen.
Lass sinken dein kostbares Schnippelbesteck.
Den Malerkrepp mach mir vom Halse jetzt weg.
Ich gehe sonst, ohne zu zahlen.
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