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Der Lobbyist der WocheIch wär so gern wieder Staatsmann

„Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel“, befand Nietzsche einmal. Gerhard Schröder (Foto), Exkanzler und gern drauflos­rüpelnder Ostwestfale, scheint es diese Strategie neuerdings angetan zu haben.

Angela Merkel mache das ja alles ganz ordentlich, schmeichelte Schröder kürzlich seiner Nachfolgerin in einem Interview. Es brauche jetzt aber unbedingt eine „Agenda 2020“, um „die Migration zu steuern und zu begrenzen“.

Vor ein paar Monaten hatte Schröder schon mal das A-Wort aus der Mottenkiste geholt. In der Welt am Sonntag schrieb er in einem euphorischen Gastbeitrag am 30. August 2015: „Wir dürfen diese Migration in und nach Europa nicht durch neue Eiserne Vorhänge zu verhindern versuchen.“

Nur einen Tag später, am 31. August, sprach Angela Merkel jene drei Worte, die sie in ein völlig neues Licht rücken sollten. „Wir schaffen das“, sagte die Kanzlerin und ließ die Grenze offen. Für Schröder muss das ein Schock gewesen sein. Plötzlich war Merkel nicht mehr die gestrenge Obermutti, sondern wurde für ihr großes Herz gefeiert. Nun, ein halbes Jahr später, ist alles anders.

Merkel schwankend, Helmut Schmidt tot: Schröder, das political animal, wittert erneut seine Stunde als Staatsmann. Also flötet er: „Die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, war richtig. Ein Fehler jedoch war, diesen Ausnahmezustand zur Normalität zu erklären.“ Natürlich muss da mal wieder eine Schröder’sche Agenda her, um das Land ins Lot zu bringen.

Freund Putin ist gerade beschäftigt, also wendet Schröder sich dem Self-Lobbying zu. Wenn er schon nicht mehr Kanzler werden kann, dann doch wenigstens Deutschlands neue Stimme der Vernunft. Könnte klappen – bis zu Merkels nächster Kehrtwende. Johanna Roth

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