piwik no script img

PortraitDer Geschasste

Matthias Brückmann will kämpfen. Am späten Mittwochabend verkündete Deutschlands fünftgrößter Energieversorger, die Oldenburger EWE AG, die Entlassung ihres Vorstandsvorsitzenden – und nur eine gute Stunde später konterte Brückmanns Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz, dass die seinem Mandanten vorgeworfenen diversen groben Verfehlungen „völlig haltlos“ seien. Gegen die Kündigung werde sein Mandant klagen.

Gestürzt ist Brückmann in erster Linie über eine Spende von 253.000 Euro, die der 55-Jährige eigenmächtig an die Stiftung der Boxprofis Vladimir und Vitali Klitschko vergeben hatte. Geholfen werden sollte damit Kindern in der Ukraine. Zwar hatte Vorgänger Werner Brinker jährlich 500.000 Euro freihändig verteilen dürfen – doch der staatlich geprüfte Bauzeichner Brückmann war mit dem Versprechen angetreten, die Spendenflut einzudämmen. Bereits seit dem 14. Fe­bruar hatte er deshalb sein Amt ruhen lassen müssen.

In Oldenburg kocht seitdem die Gerüchteküche: Dem Kellner seiner Lieblingspizzeria soll der gestürzte EWE-Chef bei der Bezahlung von Stromschulden behilflich gewesen sein, einem Freund habe er ohne Ausschreibung einen Auftrag für ein 250.000 Euro teures Werbevideo verschafft. Auch von Fahrerflucht mit dem Dienstwagen war die Rede.

Doch das Lager des Selfmademans Brückmann, der nie studiert hat, sondern über den Verkauf eigener Firmen und Vorstandsposten bei anderen Stromversorgern nach Norddeutschland kam, schlägt zurück: Das Düsseldorfer Handelsblatt fragt bereits, ob der gebürtige Heidelberger gehen musste, weil er Korruptionsvorwürfe gegen die größte Konzernsparte EWE Netz ernst nahm.

Außerdem zielen Brückmanns Unterstützer auch auf den EWE-Verband, über den 21 norddeutsche Städte und Kreise den nur formell privatisierten Energieversorger kontrollieren: Dessen Verbandsgeschäftsführer, der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke, soll bei der Optimierung seiner Biogas-Anlage vom Know-how diverser EWE-Mitarbeiter profitiert haben. Die Schlammschlacht im EWE-Intrigenstadl geht auch nach Brückmanns Rauswurf weiter. wyp

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen