Der China-Pakistan Economic Corridor: Pakistans Perle am Arabischen Meer

Die verschlafene pakistanische Hafenstadt Gwadar liegt in der Prozinz Belutschistan. Sie soll nun für China eine wichtige strategische Rolle spielen.

Luftaufnahme eines großen weißen Gebäudes in einer kargen Landschaft am Meer in Pakistan

Eine chinesische Spende: Das Technische Institut in Gwadar Foto: Xinhua/picture alliance

BERLIN taz | Bis zur Jahrtausendwende war die südwestpakistanische Wüsten- und Hafenstadt Gwadar nur für ihre Fischerei bekannt. Für den abgelegenen Ort in Belutschistan auf der Gwadar-Halbinsel, 60 Kilometer von der Grenze zum Iran entfernt, interessierte sich auch in Pakistan niemand. Doch heute bekommen pakistanische Politiker und Geschäftsleute Dollarzeichen in den Augen, wenn sie öffentlich davon träumen, wie sie die Stadt mit jetzt 270.000 Einwohnern zu einem neuen Shenzhen verwandeln und über den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) mit dem chinesischen Nordwesten verbinden wollen. Denn für Peking spielt Gwadar inzwischen eine strategische Rolle.

Diese ergibt sich aus der Nähe zum Eingang des Persischen Golfs (über die Straße von Hormus) und damit zu den dortigen Ölfeldern und Boomtowns wie Dubai und Doha.

Peking hat Gwadar inzwischen zum Tiefseehafen ausgebaut. Dieser soll hauptsächlich wirtschaftlich genutzt werden, doch ist bis heute nicht endgültig klar, ob Peking ihn nicht eines Tages auch militärischen nutzen will und darf.

Das würde China eine Militärbasis nicht nur in der Nähe des Golfs verschaffen, sondern auch im Westen des Rivalen Indiens. Den betrachtet Islamabad als Erzfeind, was ein Motor der pakistanisch-chinesischen Freundschaft ist. Delhi seinerseits hat sich in Reaktion auf Chinas Gwadar-Engagement Nutzungsrechte im nahen iranischen Hafen Chahbahar gesichert.

Ein Hintertürchen nach Xinjiang

Gwadar liegt an der iranischen Grenze am Arabischen Meer Infografik: taz

China verschafft sich über den im Bau befindlichen Wirtschaftskorridor CPEC, der Teil seiner geostrategischen Seidenstraßeninitiative ist, quasi einen Hintereingang in seine Nordwestprovinz Xinjiang. Statt dass Öltanker vom Golf über die Straßen von Malakka oder Lombok an Chinas Ostküste fahren müssen, sind über Pakistan kürzere Wege möglich, eine gesicherte und moderne Infrastruktur vorausgesetzt.

CPECs Routen haben für Peking zudem den Vorteil, dass sie bei Konflikten in der Straße von Taiwan oder im ost- oder südchinesischen Meer sicher sind und auch bei einer zunehmend unwahrscheinlicheren US-Blockade von Chinas Küstenhäfen aufrechterhalten würden können.

Doch trotz all der strategischen Kalküle haben sich die wirtschaftlichen Vorteile einer letztlich extrem teurer Entwicklung Gwadars und CPECs bisher weder für Pakistan noch für China realisieren lassen. Auf beiden Seiten herrscht inzwischen eine gewissen Ernüchterung. Gwadars Hafenanlagen werden kaum genutzt.

Die Stadt gehört dabei überhaupt erst seit 1958 zu Pakistan, das Gwadar dem Oman abkaufte. Später bot Islamabad den Hafen den USA und Russland als Stützpunkt an – vergeblich. Erst China griff zu.

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