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Dauergäste im HotelMonteursjahre sind keine Herrenjahre

Es gibt den Mythos vom Hoteldauergast als Bohemien. Die Realität könnte nicht gegenteiliger sein.

Einfaches Hotelzimmer: Dauerwohnen im Hotel muss oft sein und ist oft nicht so luxuriös, wie bei Udo Lindenberg Foto: Wächter/picture alliance

W as haben Falco, Coco Chanel, Leonard Cohen und Udo Lindenberg gemein? Sie alle lebten für Monate, Jahre oder Jahrzehnte im Hotel. Lindenberg tut es noch immer. Und sie alle nähren den Mythos vom Dauergast als Bohemien, der von Häuslichkeit nichts hält und stattdessen die Hotelsuite als sein angestammtes Habitat ansieht. Benjamin von Stuckrad-Barre, auch so ein notorischer Hotelgast, hat es in der taz mal so auf den Punkt gebracht: „Elend fängt an, wenn man zuhause kocht.“

Die Realität könnte nicht gegenteiliger sein. Die meisten Langzeitgäste sind keine so exklusive Klientel, und sie machen das oft nicht freiwillig. Es sind die Umstände, die sie dazu zwingen. Das kann ihre Herkunft sein, ein Gebrechen, ihre berufliche Situation, dass die eigene Wohnung vorübergehend unbewohnbar geworden ist oder man sie gar ganz verlassen musste und nun keine neue findet. Dann nimmt man sich eben ein Zimmer.

Der Dauergast auf dem Land ist der Monteur. Ich mag diese Klientel, ich habe mit ihr in den vorigen Jahren gute Bekanntschaft gemacht. Denn wenn Sie, liebe Leser:innen, sich kaum vorstellen wollen, ein sogenanntes Monteurzimmer zu beziehen – dem Monteur geht das genauso, und zwar aus Erfahrung. Und er ist dankbar, wenn er stattdessen ein einfaches und sauberes Hotelzimmer bekommt.

Die Monteure, die bei uns logierten, einige von ihnen über Monate immer von Montag bis Freitag, arbeiteten auf großen Baustellen. Einmal, weil die Autobahn A3 von Frankfurt am Main bis Nürnberg bis Ende 2025 saniert und ausgebaut worden ist, und zum Zweiten, weil die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Würzburg 2024 eine Generalüberholung bekam.

Wir als Gastgeber in unserem kleinen Gasthaus wollten unbedingt einen Beitrag leisten, damit es mit der Infrastruktur in Deutschland aufwärts geht. Also legten wir die Frühstückszeiten nach vorn und die Anreisezeiten an manchen Tagen weit nach hinten, und bekamen unsere Klischees über Bauarbeiter und Handwerker genau so oft bestätigt wie richtiggestellt: Ja, dieser Teil der hart arbeitenden Bevölkerung kann schon morgens um halb sechs zu schwarzem Kaffee Unmengen von Wurstbrötchen vertilgen. Er legt aber auch auf Häuslichkeit Wert, hat regelmäßig etwas Hausstand im Gepäck, zum Beispiel gerahmte Familienfotos, Kissen, einen Fernseher, eine Kaffeemaschine und immer Hausschuhe.

Etwas grenzwertig wurde es nur, als unter den Siebensachen – sehr selten – auch Herdplatten oder Minikühlschränke auftauchten. Denn, lieber Benjamin von Stuckrad-Barre: Elend ist, wenn man auf dem Hotelzimmer kochen muss.

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Jörn Kabisch
Autor
Wirt & Autor für taz und FuturZwei
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1 Kommentar

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  • Ohne Monteure gäbe es viele kleine Landpensionen und Stadthotels wohl schon längst nicht mehr. Nachdem die Lastkraftfahrer nahezu ausschließlich in ihren mobilen Kabinen nächtigen, die übrigen Handelsreisenden zunehmend entweder Homeoffice, oder abendliche Heimreise buchen und die Touristenströme mehrheitlich schon länger mit dem Pauschalflieger ausfliegen, sind temporäre Langzeitgäste eine durchaus begehrte Spezies. Solange nicht das Hand- und Kopfwerk der Vorortwerker durchgängig durch ferngesteuerte Robotics erledigt werden kann, wird das zum Glück für manchen Gastronomen auch so bleiben.