Datensicherheit in deutschen Kliniken

Patientenakte unzureichend geschützt

Beim Datenschutz in Kliniken besteht Nachholbedarf. Patientendaten könnten für immer verloren gehen und auch die Vertraulichkeit ist oftmals nicht gewährleistet.

Hier wird noch mit Stift und Papier gearbeitet. Bild: imago/Horst Rudel

BERLIN/FRANKFURT dpa/afp | Deutsche Krankenhäuser haben laut einer neuen Studie Schwächen bei der Sicherheit sensibler Patientendaten. So sei eine Verschlüsselung gespeicherter Patientendaten nur in 40 Prozent der deutschen Kliniken üblich. Das geht aus einer Erhebung der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC im Auftrag der Europäischen Kommission hervor, die der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vorliegt.

Damit liege Deutschland wenig über dem EU-Durchschnitt, aber deutlich unter anderem hinter Großbritannien, Finnland oder auch Rumänien.

Der Zugang zum IT-System sei in Deutschland in der Regel nach Eingabe eines Passwortes möglich. Nur in jedem vierten Krankenhaus werden der Erhebung zufolge Daten zusätzlich durch eine sogenannte digitale Signatur geschützt.

Die Studie ergab zudem, dass viele deutsche Krankenhäuser wenig Digitalisierung und Vernetzung nutzen. Bei der elektronischen Übermittlung von Befunden, Patientenbriefen und Laborergebnissen an Ärzte oder Krankenkassen seien Kliniken im europäischen Ausland weiter. Nur sechs Prozent der Kliniken mit einer Versorgung in akuten Fällen seien überhaupt mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens vernetzt.

Gegen einen Systemausfall und einen drohenden Datenverlust sind laut der Studie viele Häuser nicht gewappnet. In Deutschland haben nur rund 80 Prozent der Kliniken eine Notfallstrategie; europaweit sind dies drei von vier Krankenhäusern. Doch lediglich 14 Prozent der europäischen und 20 Prozent der deutschen Krankenhäuser haben ein ausreichendes Datensicherungssystem zur sofortigen Wiederherstellung aller Informationen. In jeder dritten deutschen Klinik könnten Daten bei einem Systemausfall erst nach 24 Stunden wiederhergestellt werden.

Für die Studie wurden 1.717 Akutkliniken in der EU sowie Norwegen und Island befragt. Aus Deutschland beteiligten sich 201 Krankenhäuser.

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