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Das war die Woche in Berlin IDie AfD entdeckt den Naturschutz

Kommentar von

Stefan Alberti

Am Montag wurden 200 Bäume im Leonorenpark für eine Flüchtlingsunterkunft gefällt. Die AfD punktet nun nicht nur bei Flüchtlingsgegnern.

S trittig ist schon die Frage, was das eigentlich für ein Gelände am Teltowkanal in Lankwitz ist, auf dem zu Wochenbeginn rund 200 Bäume fielen. Ein Park, sagen die einen, und reden wegen der nahen gleichnamigen Straße vom Leonorenpark. Ein Erweiterungsgelände des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes, der das Grundstück nicht mehr braucht, sagen die anderen. Letztere, das ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Katrin Lompscher von der Linkspartei an der Spitze. Die Gegenseite, das sind vor allem Anwohner, die sich um das Gelände sorgten. Vorgeblich um die Bäume, aber mutmaßlich zum Teil auch darum, dass da auf der Brache etwas Neues entstehen sollte: eine Flüchtlingsunterkunft nämlich.

Ein wochenlanger Streit ist der Abholzaktion vorangegangen. Lompschers Senatsverwaltung und der CDU-geführte Bezirk schoben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu. Tenor beim Bezirk war: Die Senatsebene ziehe ihr Ding durch, man könne den Schaden nur mindern. Auf Landesebene hieß es, die CDU habe sich nicht gerade vorgedrängelt, alternative Grundstücke für Flüchtlingsunterkünfte vorzuschlagen.

Die eine Partei gegen die andere, dazu eine noch ausstehende Gerichtsentscheidung – eine Situation, wie geschaffen für die AfD, die den etablierten Parteien gern vorwirft, Bürgerinteressen zu ignorieren. Da war es gar nicht nötig, im Übermaß Front gegen Flüchtlinge zu machen. Nein, die AfD konnte sich um den ­Naherholungsraum in Lankwitz sorgen. Nur vier Tage vor der Abholzaktion trug sie das Thema ins Landesparlament, fragte dort danach. Damit konnte sich die AfD nicht nur zum Sprachrohr derer machen, für die der Protest gegen die Abholzung lediglich Mittel zum Zweck war, sondern auch die für sich vereinnahmen, denen es wirklich nur um die Bäume ging.

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sagte Anfang Januar im taz-Interview: „Die AfD wird, wenn man sie nur machen lässt, sich von ganz alleine entzaubern.“ Natürlich, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber der große Streit um das kleine Ufergrundstück hat gezeigt, dass die größte Gefahr neben der AfD selbst die Neigung ist, sie zu unterschätzen.

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Stefan Alberti Redakteur für Berliner Landespolitik

Jahrgang 1967. Seit 2002 mit dreieinhalb Jahren Elternzeitunterbrechung bei der taz Berlin. Schwerpunkte: Abgeordnetenhaus, CDU, Grüne.
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5 Kommentare

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  • Es ist auf vielen Ebenen offenkundig, dass es an einer Opposition fehlt. Die Grünen könne es erkennbar selbst auf ihren ehemaligen Gebieten nicht sein.

  • Wo waren die Grünen? Die Umfragewerte für die Partei sinken, völlig zu Recht!

  • 3G
    36855 (Profil gelöscht)

    Da braucht es keine AfD dazu um über diese Aktion total entsetzt zu sein.

    Der Satz:

    Denjenigen, denen es n u r um Bäume geht...

     

    zeigt die Ignoranz, der Politiker und hier auch die von Herrn Alberti.

    200 Bäume zu fällen müßte als Straftat geandet werden, besonders in einer Großstadt!

    • @36855 (Profil gelöscht):

      Der Knüller ist ja das man dort garnicht bauen darf. Die einzige bauliche Nutzung ist einer Erweiterung des Uniklinikums vorbehalten.

       

      Wenn so etwas erst nach dem fällen der Bäume bemerkt wird kann man nur noch von völliger Inkompetenz der Verwaltungen ausgehen.

      • 3G
        36855 (Profil gelöscht)

        @auswurftaste:

        Das wurde erst nach dem fällen der Bäume bemerkt?

         

        Welch ein glücklicher Zufall oder?

         

        In Überlingen am Bodensee haben sie gerade eine alte Baumallee komplett abgeholzt, trotz massivem Widerstand. Dort soll die Bundesgartenschau hin.

        Irrsinn landesweit und irgendwer verdient vermutlich damit eine goldene Nase. Ich glaube nicht an Naivität der Akteure.