Das war auch: Kontroverse um Masern-Impfpflicht
Nach dem Tod einer mit Masern infizierten Frau aus Hildesheim hat sich die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) gegen eine Impfpflicht für Kinder ausgesprochen.
Das Bundesgesundheitsministerium plant, Kinder ohne Impfschutz ab 2020 vom Kita-Besuch auszuschließen und Eltern eine Geldstrafe von bis zu 2.500 Euro anzudrohen. Die Impfpflicht solle ab 1. März 2020 gelten, wie aus einem Gesetzentwurf hervorgeht.
Laut Reimann zeige der Todesfall aus Hildesheim aber, dass diese Pflicht „am eigentlichen Problem vorbeigeht“: „Die größten Impflücken bestehen bei Erwachsenen.“ Vielmehr würden Aufklärung und ärztliche Beratung helfen.
Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stützt diese Annahme. Demnach lehnen nur ein Prozent der befragten Eltern Impfungen ihrer Kinder grundsätzlich ab. „13 Prozent geben an, dass ihre Einstellung zum Impfen teils ablehnend, teils befürwortend ist“, heißt es in der Studie.
Über den Todesfall in Hildesheim berichtet das örtliche Gesundheitsamt, dass sich die zwischen 30 und 40 Jahre alte Frau acht Tage vor ihrem Tod habe impfen lassen, nachdem im Umfeld der Familie eine Masernerkrankung aufgetreten war. „Warum es bei dieser Person zu einem derartig schnellen und schweren Verlauf der Krankheit kam, ist noch nicht abschließend geklärt“, teilte das Amt mit. Ungefähr jede 1.000. Masernerkrankung führe zum Tod.
Anders als Reimann befürwortet deren sozialdemokratische Hamburger Kollegin Cornelia Prüfer-Storcks die geplante Impfpflicht. Die Immunisierung von 95 Prozent der Bevölkerung könne „ohne Sanktionen nicht funktionieren“. Auch Sandra Schmücker, Leiterin der Pestalozzi-Kitas in Hamburg, sieht darin eine „sehr sinnvolle Lösung, um die Krankheit auszurotten“. Strikte Impfgegner habe sie allerdings bisher keine erlebt.
Für den Kinderarzt Michael Friedl, Vorstand der Gruppierung „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung“ ist eine Impfpflicht hingegen „unverhältnismäßig und überdies verfassungswidrig.“
In Deutschland könnte es in diesem Jahr wieder hohe Fallzahlen geben. Niedersachsen registrierte seit Jahresbeginn 71 Fälle von Masern. 2018 waren es laut Landesgesundheitsamt nur 18.
Till Wimmer
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