Das Web-Profil des finnischen Amokläufers: "Ich wars!"
Pekka-Eric Auvinen kündigte seinen Amoklauf im Internet an. Wie andere Amokläufer, pflegte der junge Finne ein Web-Profil. Doch seines ist Avantgarde.
Pekka-Eric Auvinens Profil im Videoportal youtube.com war von Geisterbahn-Ästhetik: eine mit grellen Blitzen und violettem Himmel unterlegte Seite. Über 80 Videoclips hat er dort hochgeladen. In einem huldigt er Harris und Klebold, die das Massaker an der Columbine High School verübten. In einem anderen Clip stellt er sein persönliches Best-Of aus "Schindlers Liste" vor, das komplett aus Hinrichtungsszenen besteht. Am Tag vor dem Amoklauf im finnischen Jokela-Schulzentrum kommt dann das Video hinzu, in dem Auvinen seine Tat ankündigt.
Dass der 18-Jährige öffentliche Zeugnisse seiner Geisteswelt hinterlässt und sie für Millionen von Menschen zugänglich macht, verwundert nicht. Das gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der jungen Amokläufer. Bevor Cho Seung Hui vergangenen April an der Virginia Tech University 32 Menschen tötete, schickte er noch eine DVD an den Sender NBC mit Videos, Fotos und einem Manifest. Auch der 25-jährige Kimveer Gill, der 2006 in Montreal ausrastete, hatte eine umfangreiche Website, auf der er sich selbst bildreich als Todesengel feierte.
Was Auvinen von seinen Vorgängern jedoch komplett unterscheidet: Er ist der Erste, der die Rezeption seiner Tat und seiner Innenwelt vorwegnimmt und zu beeinflussen versucht. "Schiebt, was ich tue, nicht auf die Filme, die ich gucke, die Musik, die ich höre, und die Bücher, die ich lese", schrieb er in seinem kurz nach dem Amoklauf gesperrten YouTube-Profil. Nur um kurz darauf aufzulisten, dass er Rammstein hört, Nietzsche liest und Horrorfilme guckt.
Für all jene, die die Schuld an der Tat nun in den Medien oder in der Kunst suchen, ist eine solche Liste ein gefundenes Fressen. Denn wer aufgezählt wird, steht ohnehin in Generalverdacht, über kulturindustrielle Kanäle die Jugend zu verkorksen. Die hektische Jagd nach dem "wahren Schuldigen" - das ist der öffentliche Diskurs, in den der Amokläufer Auvinen posthum noch eingreifen will. Er, der sich selbst als "höher entwickelt" verstand, will die verhasste Masse kontrollieren, statt wieder in ihr unterzugehen. Deshalb hat er vorgesorgt und vorausschauend auf sich selbst zurückverwiesen: "Ich ganz allein bin verantwortlich." JOANNA ITZEK
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