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Anti-Drogenkrieg in EcuadorMilitäreinsatz im Buhlen um Trumps Gunst

Ecuadors Präsident will sich als Hauptverbündeter Donald Trumps in der Region profilieren. Jetzt haben gemeinsame Aktionen mit US-Truppen begonnen.

Antwort der Noboa-Regierung auf den Drogenhandel: Militarisierung, Racial Profiling junger Afro-Ecuadorianer und Ausnahmezustände Foto: John Moore/getty images

Was die neue Phase im Anti-Drogenkrieg ankündigen soll, wirkt wie ein billiges Videospiel: Ein pixeliges Video in Farbe und schwarz-weiß von fliegenden Hubschraubern über unbekanntem Terrain, Menschen, die zum Hubschrauber laufen, unterlegt mit martialischer Musik, dann ein Gewitter und das Logo des US-Südkommandos.

Dieses verkündete per Post auf X, dass am 3. März gemeinsame Operationen der ecuadorianischen und US-amerikanischen Streitkräfte gegen „ausgewiesene terroristische Organisationen in Ecuador“ gestartet hätten. Diese seien „ein eindrucksvolles Beispiel für das Engagement der Partner in Lateinamerika und der Karibik im Kampf gegen die Geißel des Drogenterrorismus“.

Am Vortag des offiziellen Starts hatte Francis L. Donovan, der Kommandant des US-Südkommandos, in Quito Präsident Daniel Noboa zu einem vertraulichen Gespräch zur Sicherheitszusammenarbeit getroffen.

Ecuadors Regierung sagte zu alldem auch einen Tag später nach dem offiziellen Beginn: so gut wie nichts. Die Details unterlägen der Geheimhaltung, da man künftige Aktionen nicht gefährden wolle, hieß es vom Verteidigungsministerium am Mittwoch. Das Ganze liefe unter dem Namen „Totale Offensive“. Was, wer, wann, wo – alles unbekannt.

2025 war das tödlichste Jahr seit Langem

Ecuador ist heute ein Schlüsselland für den Handel von Kokain (aus Kolumbien und Peru) nach Europa und die USA, über seine Pazifikhäfen. Die Folge ist krasse Gewalt. Die Antwort der Noboa-Regierung – Militarisierung, Racial Profiling von jungen Afro-Ecuadorianern und Ausnahmezustände – hat diese nicht eingedämmt.

Im Gegenteil. 2025 war das tödlichste Jahr seit Langem. Die Gefängnisse, selbst Bastion des organisierten Verbrechens, sind überfüllt. Der Drogenhandel, aber auch Entführung und Schutzgelderpressung und illegaler Bergbau sind ein Riesengeschäft.

Ecuadors Präsident Daniel Noboa, geboren in Miami und mit doppelter Staatsbürgerschaft, will sich schon länger als Trumps Hauptverbündeter in der Region profilieren – vor allem bei Trumps lateinamerikanischem Lieblingsthema, dem „Narkoterrorismus“.

Als die USA Venezuelas Präsident Nicolás Maduro zum Chef des sogenannten Cartel de los Soles (Sonnenkartell) erklärten und dieses als Terrororganisation einstufte, zog Noboa umgehend nach.

Noboa folgt Trumps Spuren

Auch folgt Noboa Trumps Attacken auf Kuba: Am Mittwoch erklärte die Noboa-Regierung den kubanischen Botschafter Basilio Antonio Gutiérrez García samt dem gesamten kubanischen Diplomaten-Tross zur Persona non grata – ohne Gründe zu nennen. Sie müssen binnen 48 Stunden das Land verlassen. Ecuador zog parallel seinen Botschafter in Havanna ab.

In Sachen militärischer Zusammenarbeit macht Noboa immer weiter. Erst im November hatten die Ecua­do­ria­ne­r:in­nen die von Noboa gewünschte Einrichtung von US-Militärbasen per Referendum verboten. Schon im Dezember landeten US-Militärs in Manta, das auf der Wunschliste für Basen stand. Laut US-Botschaft für eine temporäre gemeinsame Militäroperation.

Bei der neuen Phase stützt sich Noboa auch auf drei bilaterale Abkommen, die sein Vorgänger Guillermo Lasso 2023 mit den USA ausgehandelt hatte und die gemeinsame Operationen gegen den Drogenhandel und andere kriminelle Geschäfte erlauben. Schwerpunkt: Kontrolle des Schiffsverkehrs über den Pazifik. In Ecuador ist die Gewalt mittlerweile von der Küste und den Hafenstädten ins Landesinnere geschwappt.

Was Trump bisher nicht stört: Der Oligarchen-Clan von Präsident Noboa ist laut Recherchen selbst ins Drogengeschäft verstrickt. Unter anderem mit Hilfe des Bananenhandels. Die Boote dafür verlassen samt der Drogen über die Häfen das Land. Der größte Hafen befindet sich in Guayaquil in der Provinz Guayas, wo die Noboa-Familie ansässig ist.

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