piwik no script img

Crowdfunding für KondomeStimmungskiller

Das Start-up „Einhorn“ verspricht großzügigen Spendern Kondome mit dem eigenen Konterfei. Nachhaltig produziert sind sie auch noch.

Nachhaltig produzierte Kondome in Chipstüten verpackt. Endlich! Die Initiatioren dieser Crowdfundingkampagne kommen straight aus der Berliner Start-up-Szene. Sie sind hip, witzig, reißerisch. Allein der Name: Einhorn.

Ihre Idee ist gut. Ihnen fiel auf: Über die Produktion von Kondomen wird kaum geredet oder berichtet – es ist uns ja schon peinlich, die Dinger bloß zu kaufen. Erst recht, über die Herstellung zu sprechen.

Für die Produktion herkömmlicher Gummis werden Regenwälder abgeholzt, Pestizide verwendet, daraus folgt Grundwasserverseuchung – alles sehr unschön. Das wollen die jungen Gründer besser machen und dabei auch noch 50 Prozent ihrer Einnahmen an gemeinnützige Projekte spenden. Richtige Gutmenschen also. Sie formulieren es so: „Einhorn Kondome sind genauso sicher wie alle bereits im Handel erhältlichen Kondome, aber sie machen mehr Spaß, sind etwas günstiger, sehen von außen hübscher aus und lassen uns uns beim Kauf auch noch gut fühlen.“

Warum genau Einhorn-Kondome mehr Spaß machen als andere, wird nicht ganz klar, denkt man während ihrer Nutzung normalerweise doch eher selten an ethische Implikationen ihrer Produktion. Egal. Denn ein lustiges und informatives Video haben sie auch noch. Es gibt keinen Grund, die Jungs nicht zu unterstützen.

Oder? Da wäre noch das Dankeschön, das der Crowdfunder erhält, der 50.000 Euro beiträgt: Sein Gesicht wird auf eine Million Kondome gedruckt. Das heißt also: Man wird intim mit der oder dem Liebsten. Musik. Gedimmtes Licht. Die Chipstüte mit Kondom wird lasziv geöffnet, das nachhaltige, glückliche Präservativ übergezogen und bäm! Der Spender lächelt einem entgegen. Mega-Abtörn. Und schon wird kein Kondom mehr gebraucht.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Und Dreifach-Tusch! Wir sind ja grade mitten drin im Karneval.

     

    Aber mal im Ernst: Muss tatsächlich erst eine Frau kommen, damit der Unsinn auffällt? Ich meine: Moderne Männer, hab ich mal irgendwo gehört, können sich inzwischen einfühlen in ihr Gegenüber. Auch mit dem Kopf. Für manche Werbestrategen scheint das nur halb zu gelten. Die glauben offenbar, wenn sie sich in ihre Geldgeber einfühlen, genügt das. Wer braucht schon Käufer, wenn er sein Produkt wirklich liebt?

     

    Hip mag so eine Einbeinigkeit (meinetwegen auch Einhörnigkeit) ja sein. Davon verstehe ich nicht viel. Dass sie aber zeitgemäß oder auch nure märchenhaft ist, halte ich für ein gerücht. Und ökologisch im Sinne von artgerecht ist sie erst recht nicht.

    • Käptn Blaubär , Moderator*in

      @X7n2rN3EF:

      Vielen Dank für den Hinweis. Ist bereits geändert.