Coronaproteste in Frankreich: Rufe nach „Liberté!“

In Frankreich protestieren Zehntausende gegen Coronamaßnahmen und Impfpflicht. Menschen aller sozialen Schichten und Altersgruppen sind dabei.

T-Shirt eines Mannes mit der Aufschrift "Macronavirus" und dem Gesicht von Präsident Emmanuel Macron.

T-Shirt eines Demonstranten, der am Samstag einem Aufruf der Partei „Les Patriotes“ folgte Foto: Sarah Meyssonnier/reuters

PARIS taz | Das dritte Wochenende in Folge haben in Frankreich in mehr als hundert Städten Zehntausende Menschen gegen die behördlichen Maßnahmen gegen die Coronapandemie demonstriert. Am Samstag beteiligten sich laut Behörden mehr als 200.000 Menschen an 183 Kundgebungen.

In Paris, wo drei Demonstrationen gleichzeitig stattfanden, waren es demnach 15.000 Teilnehmende, laut Organisatoren waren es fünf Mal so viele. Der größte Protest endete auf dem Bastille-Platz mit Zusammenstößen mit der Polizei. Französische Medien befürchten eine „Radikalisierung“ der Proteste und erinnern an die Gelbwesten-Bewegung, die das Land mehr als ein Jahr lang in Atem hielt.

Unter den jetzt gegen die Coronapolitik Demonstrierenden gibt es viele, die bei den Gelbwesten mitmarschiert waren, auch einige ihrer Exponenten wie Jérôme Rodrigues oder Jacline Mouraud.

Doch gibt es unter den Demonstrierenden Menschen aller sozialen Schichten und Altersgruppen. Die Slogans, die oft auf Kartons gekritzelten Wutbotschaften oder die mitgebrachten Trikolore-Fahnen lassen den Schluss zu, dass sehr unterschiedliche, ja oft gegensätzliche Weltanschauungen oder politische Einstellungen vertreten sind.

Marine Le Pen reagiert erstaunlich zurückhaltend

Nur wenige bekannte Po­li­ti­ke­r*in­nen lassen sich bei den Kundgebungen blicken. Namentlich Marine Le Pen vom Rassemblement National hält sich in ihrer Kritik an der Coronapolitik sehr zurück. Sie hütet sich, zu Impfungen oder Restriktionen deutlich Stellung zu nehmen. Denn das könnte sie bei den Präsidentschaftswahlen 2022 nur Stimmen kosten.

Von der politischen Dynamik der Wut auf der Straße versuchen dagegen der Rechtspopulist Florian Philippot, Ex-Nummer Zwei des Front National und heute Chef der Splitterpartei Les Patriotes, sowie der „Souveränist“ Nicolas Dupont-Aignan zu profitieren. Ein anderer „Frexit“-Politiker, François Asselineau, konnte nicht zur Pariser Demonstration kommen. Er hatte sich mit Covid-19 angesteckt.

Die politischen Interessen sind ohnehin den meisten Demonstrierenden egal. Sie sind schlicht wütend auf die Staatsführung und fordern namentlich den „Kopf“ von Präsident Emmanuel Macron. Sie sind gegen ein System, das sie als „Diktatur“ ablehnen, und bezichtigen die Medien pauschal der Lüge und Manipulation. Ihre „Wahrheit“ glauben sie bei Gleichgesinnten in den sozialen Netzwerken zu finden. An mehreren Orten wurden am Samstag Jour­na­lis­t*in­nen beschimpft oder gar tätlich angegriffen.

Misstrauen gegenüber Pharmakonzernen und mRNA-Technik

Bei weitem nicht alle sind „Antivax“, das heißt kategorisch gegen eine Anti-Covid-Impfung. Doch sie misstrauen häufig den Pharmakonzernen oder der ihrer Ansicht nach zu wenig erprobten mRNA-Technologie. Vor allem sind sie gegen „Passkontrollen“ und andere drohende Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit.

Der einzige gemeinsame Nenner ist ihr Ruf „Liberté!“. Die vom Parlament verabschiedeten Vorschriften, die im August und September in Kraft treten, heizen die Proteste weiter an.

So muss sich das gesamte Pflegepersonal impfen lassen. Wer das nach dem 15. September unterlässt, riskiert Lohnausfall. Auch ungeimpfte Mit­tel­schü­le­r*in­nen müssten im Fall einer Ansteckung in ihrer Klasse nach dem Wiederbeginn des Unterrichts zu Hause bleiben und ihn per Videokonferenz verfolgen.

Nicht nur in fast allen Cafés, Restaurants, Kinos, Theatern, Museen sowie in Fitness- und Sportklubs, sondern auch für den interregionalen Bahn- und den Flugverkehr wird die Gesundheitspasskontrolle obligatorisch.

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