Coronalockdown in Tschechien: Unter Hausarrest

Seit Montag ist Tschechien in einem harten Lockdown, Polizei und Armee kontrollieren die Einhaltung. Vor allem für die Industrie gibt es Ausnahmen.

Karlsbrücke mit einem Menschen im Nebel

Seltener Anblick: nur ein Mensch geht über die Karlsbrücke in Prag Foto: Petr David Josek/ap

PRAG taz | Tschechien steht unter Hausarrest: Seit Montag befindet sich das Land in einem sogenannten harten Lockdown. Mehr Geschäfte müssen zumachen oder dürfen nur noch im Voraus bestellte Waren abgeben, was besonders Gewerbetreibende wie Handwerker betrifft, die bislang noch in Baumärkten und bei Großhändlern einkaufen durften. Außerhalb der eigenen vier Wände müssen jetzt Atemschutzgeräte getragen werden. Oder zwei Schutzmasken übereinander.

Schulen und Kindergärten werden oder bleiben geschlossen. Weiterhin gilt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, wobei man auch zu dieser Zeit mit dem Hund Gassi gehen darf. Aber nur innerhalb eines Radius von 500 Metern.

Was den Lockdown dieses Mal wirklich hart macht, ist eine neue Maßnahme, die die Bewegungsfreiheit der Tschechen einschränkt: Wer unbedingt aus dem Haus muss, darf die Grenzen seiner Gemeinde beziehungsweise seines Kreises nicht verlassen.

Um zu zeigen, wie ernst es ihr dieses Mal ist, zeigt die Regierung Zähne. Neben 26.000 Polizistinnen und Polizisten wacht auch die Armee seit Montag darüber, dass niemand einen Schritt zu weit geht.

Selbst Verwandtenbesuche zählen nicht mehr

Mit Polizeikontrollen im Rahmen eines harten Lockdowns sind Tschechen wie Luboš indes schon vertraut. Seit ein paar Wochen wird er jedes Mal kontrolliert, wenn er seine kleine Tochter besuchen will. Die Fünfjährige lebt mit ihrer Mutter im Kreis Sokolov (Falkenau). Der gehört wegen seiner hohen Inzidenzrate zu drei Kreisen in Tschechien, die schon am 12. Februar vom Rest des Landes abgeriegelt wurden. „Meine Ex-Frau schrieb eine Mail an Ministerpräsident Babiš, in der sie empört fragte, wie ich unter diesen Maßnahmen zu meiner Tochter kommen soll“, erzählt Luboš. Dass überhaupt eine Antwort kam, hat beide ziemlich überrascht. „Da stand dann was von einer Ausnahmeregelung, unter der ich zu meiner Tochter darf.

„Klar, dass nicht Babiš selbst geantwortet hat“, lacht Luboš. Aber eine nette Geste war es schon, meint er. Vergangenes Wochenende war er dann noch mal schnell bei seiner Tochter. Ab Montag sind selbst Ver­wandtenbesuche kein Grund mehr, den Hausarrest zu ­brechen. „Aber vielleicht gibt es da auch eine Ausnahme­regelung“, vermutet Luboš.

Solche gibt es an sich genug. Die gesamte tschechische Industrie ist vom harten Lockdown befreit. Was nicht unbedingt dazu beiträgt, diese Maßnahme in den Augen der Bevölkerung zu legitimieren. Gerade große Industriebetriebe sind als Infek­tionsherde verdächtig.

Denn gerade Geringverdienende können sich den Luxus einer zehn- bis vierzehntägigen Quarantäne gar nicht erst leisten. Und selbst bei Škoda-Auto, einem für seine überdurchschnittlich hohen Löhne begehrten Arbeitgeber, gab es mehrere Fälle, in denen Mitarbeiter trotz Infektion am Band standen.

Ausnahmeregelungen gelten aber auch für Handwerker und Gewerbetreibende. Ihnen reicht eine eidesstattliche Erklärung, im Auftrag unterwegs zu sein, als Passierschein zwischen den Kreisen.

Ziel der Maßnahme ist es, die sozialen Kontakte so weit wie möglich herunterzuschrauben. Sonst, so warnte Gesundheitsminister Blatný, können die Infektionsraten auf 30.000 pro Tag ansteigen. Momentan liegt die Rate bei um die 15.000, trotz monatelangen weichen Lockdowns.

Mindestens drei Wochen lang soll der Hausarrest anhalten. Die Kontrollen am Montag zeugten zumindest von Durchsetzungskraft: keine Kreisgrenze, an der nicht flächendeckend kontrolliert wurde.

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