Corona-Virus in Australien: Melbourne abgeschottet

Das Corona-Virus breitet sich weiter in Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne aus. Jetzt ist die Grenze zum Nachbarstaat New South Wales geschlossen.

Ein Polizist kontrolliert ein Auto

Polizeikontrolle in Melbourne am 5. Juli Foto: Daniel Pockett/AAP/Imago

CANBERRA taz | In der australischen Metropole Melbourne, der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria, herrscht seit Mittwochabend ein auf sechs Wochen angesetzter Lockdown. In den letzten zwei Wochen war in der Stadt mit fünf Millionen Einwohnern die Zahl der Infizierten täglich gestiegen. So meldeten die Behörden am Mittwoch 134 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden.

Grund für die Ausweitung der Pandemie scheint die Verletzung von Hygiene- und Schutzvorschriften in einem Hotel gewesen zu sein. Darin waren aus dem Ausland gekommene Passagiere 14 Tage lang in Quarantäne. Bewohnern Melbournes ist es jetzt nur noch in Ausnahmefällen gestattet, sich in die Öffentlichkeit zu begeben.

Ein komplettes Ausgehverbot gilt für tausende von Mietern von Sozialwohnungen in mehreren Hochhäusern im Norden der Stadt. Diese Orte seien epidemiologisch so gefährlich wie ein „vertikales Kreuzfahrtschiff“, sagte Victorias Premier Daniel Andrews. Viele Bewohner sind Personen ohne gute Englischkenntnisse, darunter frühere Flüchtlinge.

Seit Mittwochabend sind auch die Grenzen zwischen Victoria und dem nördlichen Nachbarstaat New South Wales (NSW) geschlossen. Tausende Polizisten und Soldaten bewachen die Übergänge. Bei Grenzübertritten ohne Sonderbewilligung drohen drakonische Strafen.

Bericht: Fluglinie ließ Passagiere ohne Kontrolle gehen

Am Dienstagabend soll die Billigfluglinie Jetstar in Sydney die Passagiere eines Fluges aus Melbourne ohne Kontrolle aus dem Flugzeug zu ihrem Reiseziel Hause gelassen haben. Das berichtete am Mittwoch der öffentlich–rechtliche Sender ABC. Damit habe die Airline die neuesten strengen Gesundheitsanweisungen der NSW-Regierung verletzt.

„Damit wurde gegen die Screening-Protokolle für Ankünfte verstoßen“, zitierte ABC eine ihr zugespielte interne Jetstar-E-Mail. In den Tagen zuvor hatte die Regierung von NSW neue Gesetze erlassen, die es Personen aus dem Großraum Melbourne verbieten, in den nördlichen Bundesstaat zu reisen.

Ausnahmebewilligungen gibt es nur bei „außergewöhnlichen Umständen“ wie dringender medizinischer Versorgung oder der Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen. Alle Reisenden müssen in eine zweiwöchgige Quarantäne.

Bis Mittwochabend Ortszeit hatte Jetstar zu den Vorwürfen nicht Stellung bezogen. Die Chefärztin des Bundesstaates NSW, Kerry Chant, bestätigte, es habe am Flughafen „ein Problem“ gegeben. Niemand dürfe ein Flugzeug verlassen, bevor nicht Ärzte eine Untersuchung durchgeführt hätten.

Es drohen drakonischen Strafen

Die Passagiere würden nun anhand ihrer Tickets identifiziert. Falls jemand entgegen der Vorschriften gereist sei, sei dies ein Fall für die Polizei. In mehreren australischen Bundesländern drohen Strafen von umgerechnet bis zu 6700 Euro oder sechs Monate Gefängnis für eine Verletzung der Reisevorschriften.

Nach Meinung von Experten kann die Verletzung der Richtlinien die eskalierende Ausbreitung von Covid-19 im südlichen Bundesstaat Victoria auf die Großstadt Sydney und NSW übertragen.

Für weite Teile Australiens galt schon seit Wochen eine Ausgangs- und Kontaktsperre, die jüngst sukzessive gelockert wurde. Dass dies für Melbourne wieder zurückgenommen wird, trifft dort nicht zuletzt die Wirtschaft hart.

Mehrere Ökonomen glauben, der erneute Lockdown werde viele kleine und mittlere Unternehmen die Existenz kosten. „Wir hatten eben gerade wieder geöffnet“, meinte der Besitzer eines Kaffees in Melbournes Innenstadt am Mittwoch im Fernsehen, „und jetzt das!“.

Auch wenn die Regierung Kleinunternehmen und Angestellte mit Zahlungen unterstütze, zweifelt er daran, „dass wir da heil rauskommen werden“.

Australiens Behörden haben bisher knapp 9000 Corona-Infektionen und 106 Todesfälle registriert.

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