Zeitungen in Australien eingestellt: Rupert Murdoch schafft Fakten

Was treibt eigentlich Murdoch? Aktuell erscheinen mehr als hundert seiner regionalen und lokalen Zeitungstitel zum letzten Mal in gedruckter Form.

Ein alter Mann mit Sonnenbrille lächelt

„Dirty Digger“ Rupert Murdoch Foto: Mike Blake/reuters

Was macht eigentlich Rupert Murdoch? Es ist seltsam still um den letzten großen Medienmogul alten Schlags geworden. Wer nun aber denkt, dass sich der Australo-Brite mit dem US-amerikanischen Pass zur Ruhe gesetzt hätte und irgendwo zwischen Cairns, Sydney, Miami Beach und seinem schottischen Landsitz den gepflegten Ruhestand schiebt, irrt gewaltig.

Zwar wird Murdoch nächstes Jahr 90, aber das ist ihm schnurz. Ihm geht es um Geld und Macht, wahrscheinlich sogar noch mehr um Macht als um Geld. Dass die Tage, in denen Murdoch und seine Top-Manager quasi ständig in Number 10, Downing Street diskret durch die Hintertür ein- und ausgingen, gezählt sind, dürfte eher an Corona liegen. Murdoch ist schließlich total Risikogruppe. Und Premierminister Boris Johnson war wegen Covid-19 ja schon auf der Intensiv. Dass Murdoch dennoch einen guten – und vor allem kurzen – Draht zu Johnson hat, gilt als sicher.

Murdoch hat so ziemlich alles erreicht, was er wollte. Gut, den kompletten Zerfall der von ihm verhassten EU hat er zum Glück bislang noch nicht hinbekommen – aber die Briten sind ja schon mal draußen. Und so wie es aussieht, läuft alles auch auf einen eher ungeregelten Brexit Ende des Jahres hinaus. Was wieder so ein Lieblingsszenario des Rupert M. wäre. Sein globales Medienunternehmen News Corporation hat er klug aufgeteilt in Programm-, Sender- und Hollywoodkonzern, den er in Anlehnung an sein Hollywoodstudio 20th Century Fox dreist 21st Century Fox benannt hat. Unter „News Corp.“ firmieren seitdem nur noch seine Zeitungsbeteiligungen und Verlage auf drei Kontinenten.

Im Stammland Australien passiert diese Woche enormes im Murdoch-Reich: Mehr als hundert seiner regionalen und lokalen Zeitungstitel erscheinen zum letzten Mal als gedruckte Zeitungen. Das Gros von ihnen wird künftig nur noch digital weitergeführt, für rund ein Fünftel ist ganz Schluss. Während in anderen Zeitungsmärkten, vor allem in Deutschland, seit einer gefühlten Ewigkeit über ähnliche Schritte diskutiert wird, aber nichts passiert, schafft Murdoch einfach mal Fakten.

Aktuell dürfte der „Dirty Digger“ („Dreckiger Wühler“), wie ihn die britische Presse gern nennt (zumindest der Teil, der ihm nicht gehört) an der Wiederwahl seines Buddys Donald Trump arbeiten. Und auch in London zeigt Murdoch aktuell Flagge. Seine Times legt mit einem eigenen Hörfunkangebot „Times Radio“ los. Der liberale Guardian sorgt sich schon, dass da eine echte Konkurrenz zur BBC entstehen könnte. Ganz nach dem Plan von Johnson-Berater Dominic Cummings, der der Mutter aller Öffentlich-Rechtlichen bekanntlich an den Kragen will. Ein Schelm, wer dabei denkt, Murdoch würde nur an seinem Testament arbeiten und wäre hier gänzlich unbeteiligt.

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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