Corona-Politik in Berlin: Kleiner Boost fürs Berlin-Bild

Impfen, Impfen, Boostern – so lautete bisher das Motto in der vierten Corona-Welle. Berlin liegt zumindest bei Letzterem bundesweit vorn.

Vier Menschen sitzen oder stehen in einer Schlange

Warten auf den Piks Foto: imago

Dass Berlin nichts auf die Kette kriegt, ist längst fester Bestandsteil des bundesweiten Regio-Bashings: Die Sachsen sind allesamt Co­ro­nal­eug­ne­r*in­nen und irgendwie eh Nazis, die Bayern verstecken ihre reichlich vorhandenen politischen Defizite hinter 'ner großen Klappe, und Berlin kann eben weder Flughäfen bauen (dabei war es nur einer) noch vermüllte Straßen aufräumen. Und auch keine Wahlen durchführen, Pässe ausstellen usw. usw. Man kennt diese Häme ja zur Genüge.

Viele dieser – politisch formuliert – Herausforderungen sind auf fehlendes Personal und mangelhafte Organisation zurückzuführen. Umso erstaunlicher wirkt es da, dass ausgerechnet die Impfkampagne in der Hauptstadt gerade ganz gut läuft. Okay, der scheidende Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat schon recht früh die Hoffnung aufgegeben, Impfunwillige per persönlichem Brief umzustimmen. Und für die verbliebenen zwei Impfzentren sucht das Land gerade händeringend Personal.

Aber beim Boostern, einem der Geheimrezepte gegen die Pandemie, liegt Berlin ganz vorne: Ein Viertel der Über-60-Jährigen die sich hatten impfen lassen, erhielt bisher auch schon die dritte Impfung – im Rest der Republik ist die Quote in der Regel halb so hoch. Und dann entschied Senat am Mittwoch auch noch, die Auffrischungsimpfungen bereits nach fünf Monaten frei zu geben, und zwar für alle. Genug Impfstoff ist ja vorhanden, und jeder Piks mehr hilft, so das Motto dahinter.

Das ist, gerade angesichts der zunehmenden Anzahl von Impfdurchbrüchen, eine schlaue Taktik. Schließlich wirkt die Impfung bei jedem Menschen anders. Entsprechend lässt sie früher oder später nach und nicht pünktlich nach sechs Monaten, wie es die Stiko-Empfehlung suggerieren könnte. Zudem hatten auch jede Menge Me­di­zi­ne­r*in­nen vor einem deutlich sinkenden Schutz bereits nach – je nach Ex­per­t*in – drei, vier oder fünf Monaten gewarnt.

Jede Regelung, die in dieser Hochphase der Pandemie Abläufe verkompliziert, macht es schwieriger, das Ziel zu erreichen.

Der Andrang auf die Impfungen steigt

Die vorgezogene Freigabe des Senats scheint Wirkung zu zeigen: Der Andrang auf Impftermine stieg in den vergangenen Tagen deutlich, und die Schlangen an jenen Orten, wo es den Piks ohne Voranmeldung gibt, wurden länger und länger. Schon mahnen die ersten Me­di­zi­ne­r*in­nen eine Art Priorisierung an, wie es sie schon zu Beginn der Impfkampagne gab: Ältere und damit potenziell gefährdetere Menschen zuerst, jüngere sollten erst mal abwarten.

Doch das ist nur auf den ersten Blick nachhaltig. Jede Regelung, die in dieser Hochphase der Pandemie Abläufe verkompliziert, macht es schwieriger, das Ziel zu erreichen. Wenn zudem in Kürze das Booster-Programm des Bundes mit geplant 25 Millionen Impfungen bis Jahresende startet, sollten Termine kein Problem mehr sein.

Möglichst viel Klarheit bei den Regelungen sollte auch für die vom Senat für kommende Woche angekündigten Vorgaben für 2G+ gelten. Natürlich ist es ein Entgegenkommen, wenn sich Be­trei­be­r*in­nen von Restaurants, Theatern, Kinos, etc. aussuchen könnten, ob unter dem „Plus“ ein zusätzlicher Test, eine Maskenpflicht oder eine Abstandsregel verstanden wird.

Allerdings dürfte es für die Kultur- und Gastronomiebranche wenig hilfreich sein, wenn am Ende ein Flickenteppich entsteht und man fürs Theater erst eine Maske, für den Kneipenbesuch danach aber einen Test braucht. Sonst heißt es am Ende wieder: Berlin kriegt nichts auf die Reihe.

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Jahrgang 1974, ist Leiter der Berlin-Redaktion der taz. Zuvor war er viele Jahre Chef vom Dienst in dieser Redaktion. Er lebt seit 1998 in Berlin und hat Politikwissenschaft an der Freien Universität studiert.

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