Corona-Notgesetz in Großbritannien: „Bleibt zu Hause!“

In der Coronakrise verkündet nun auch Boris Johnson eine Einschränkung sozialer Kontakte. Nur Bestattungen bleiben noch erlaubt.

Busfahrer mit Maske in einem roten Bus

Gefährlicher Beruf in Corona-Zeiten: Busfahrer in London Foto: Dylan Martinez/reuters

LONDON taz | Eigentlich sollten sich bereits alle im Vereinigten Königreich an die vorige Woche verkündeten Distanzierungsmaßnahmen aufgrund von Sars-CoV-2 halten, doch spätestens am Montagmorgen war klar geworden, dass auch wiederholte Appelle am Wochenende nur eine mäßige Wirkung hatten. Bilder menschenvoller U-Bahn-Waggons zum Stoßverkehr aus London zirkulierten, und einige Menschen taten so, als hätten sie Urlaub, etwa mit Bergbesteigungen in Snowdonia in Wales.

Damit soll seit Montagabend Schluss sein. Nach einer außergewöhnlichen Fernsehansprache von Premierminister Boris Johnson schließt sich Großbritannien jetzt komplett der globalen Tendenz restriktiverer Maßnahmen an. „Ich habe eine ganz einfache Instruktion an alle: Bleibt zu Hause“, bat Johnson. Alle seien für den Kampf gegen die Krankheit im Einsatz, und alle müssten dazu beitragen, das Gesundheitswesen zu schonen.

Konnten noch bis Montagnachmittag in London offene Friseurgeschäfte, Familien auf Spielplätzen, Leute auf Basketball- und Tennisplätzen und Jugendliche in Scharen auf Fahrrädern gesichtet werden, werden nun alle Spielplätze, Sportplätze und viele Parks geschlossen. Alle Treffen unter Menschen, auch Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten können nun nicht mehr stattfinden. Nur noch Bestattungen seien erlaubt, sagte Johnson – ein bitterer Hinweis auf das, was wohl nicht nur in Großbritannien bevorsteht.

So wie in der Bundesrepublik Deutschland dürfen jetzt auch in Großbritannien nur noch maximal zwei Personen zusammen sein oder Menschen aus dem gleichen Haushalt. Nur mit gutem Grund dürften Brit*innen ihre Wohnungen verlassen. Einmal am Tag aus ihren Wohnungen und Häusern, um Sport zu betreiben oder um mit Hunden Gassi zu gehen, allerdings nur unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln. Sie dürfen auch essenzielle Dinge wie Medizin, Lebensmittel und Tierverpflegung einkaufen sowie Post- und Gelddienste tätigen.

Aber alle anderen Geschäfte sind für den Publikumsverkehr geschlossen. Wer kann, soll online bestellen. Auch Hotels und Büchereien sind seit Dienstag geschlossen, so wie bereits Pubs und Restaurants. Bestattungsdienste sind ausgenommen. Nur diejenigen, die nicht zu Hause arbeiten können, sollten öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Baustellen können somit weitermachen.

Ab Donnerstag soll ein Notgesetz, das derzeit im Parlament beraten wird, diese Maßnahmen in Gesetzesform packen und den Sicherheitskräften die notwendigen gesetzlichen Befugnisse geben, um gegen Menschen vorzugehen, die sich nicht daran halten. Man denke an Bußgelder, hieß es. Die Londoner Polizei gab jedoch an, sie wolle vorerst ohne bestrafende Maßnahmen arbeiten.

Die Opposition im Parlament begrüßte die Maßnahmen, doch der ehemalige konservative Gesundheitsminister Jeremy Hunt monierte, sie kämen zu spät, um italienische Verhältnisse in Großbritannien zu verhindern.

Kurz bevor der Premierminister am Montagabend seine Maßnahmen verkündete, rief Außenminister Dominic Raab die etwa eine Million Brit*innen, die sich noch auf Reisen im Ausland befinden und deren ständiger Wohnsitz in Großbritannien liegt, dazu auf, unverzüglich nach Hause zu kehren, bevor es keine Flüge mehr gibt.

In Ländern wie Peru in Südamerika oder Sierra Leone in Westafrika ist dies allerdings bereits der Fall. Das britische Außenministerium arbeitet 24 Stunden am Tag, um die Rückkehr und Unterstützung gestrandeter Brit*innen zu organisieren, heißt es dazu.

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