Corona-Demo am Samstag in Hannover: Auf schmalem Grat

Bei der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen am Samstag in Hannover ist wieder mit Rechtsextremen und Maskenverweiger*innen zu rechnen.

Ein Teilnehmer trägt eine Kappe mit einer Spritze und einem Button "Querdenken 711 Stuttgart" am Brandenburger Tor bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.

Haben viel unterschiedliches im Kopf: Teilnehmer der Corona-Demo Ende August in Berlin Foto: dpa

HAMBURG taz | „Nach Berlin kommt Hannover“ ist der Mobilisierungsslogan. Am Samstag wollen in der niedersächsischen Landeshauptstadt selbsternannte Freiheits- und Grundrechteverteidiger*innen auf die Straße gehen. Unter dem Motto „Fest für Freiheit und Selbstbestimmung“ wollen sie vom Waterlooplatz zum Georgsplatz ziehen.

„Die Veranstalter gingen anfänglich von 1.000 Teilnehmern aus“, sagt eine Sprecherin der Polizei Hannover der taz. Dass weit mehr Corona-Rebell*innen kommen könnten, wird aber nicht ausgeschlossen.

Zu der Demonstration haben über 20 Initiativen aus dem Norden mobilisiert. Verantwortlich ist die Initiative „Wir wachen auf“ aus Hannover. Auf ihrer Webseite stellen sich die acht Männer und Frauen mit Vornamen vor. Alexis, Oliver und Birgit und ihre Mitstreiter*innen meinen, dass es an der Zeit sei, für die „Freiheit“ einzustehen und laut zu werden, für die Kinder und Familien. „Wir sind Freidenker“ erklären sie. Ihr Bedürfnis nach Selbstbestimmung, Freiheit und nach körperlicher und psychischer Unversehrtheit verbinde sie. Politisch stünden sie weder rechts noch links.

Verschiedene „Querdenken“-Gruppen tragen die Demo mit. Auf dem Flugblatt prangt auch der „Panic Virus“ von der Hamburger Initiative „Unsere Grundrechte“ und das Herz mit Gelben Händen der „Eltern stehen auf“. Im Norden haben die Eltern in Sorge vor Masken- und Impfzwang alleine 34 Ortsgruppen.

Gegenaktionen sind angekündigt

Bei der Demo in Hannover soll der Politologe und Publizist Hermann Ploppa sprechen. Er hat Artikel über die Eliten der USA veröffentlicht. In seinem Bestseller „Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“ schreibt er: „Eine Gruppe von Unternehmern, Bankern, Wissenschaftlern und Medienleuten arbeitet weitgehend im Verborgenen daran, die Bundesrepublik Deutschland unwiderruflich als Juniorpartner an die USA festzuschweißen. Zum anderen geht es darum, Deutschland und Europa nach amerikanischem Modell marktradikal umzukrempeln.“ Die Grenze zur Verschwörungsideologie ist schmal.

Ein weiterer Redner: Gunnar Kaiser. Der Philosoph und Schriftsteller fand mit seinem letzten Roman „Unter der Haut“ wohlwollende Beachtung. In der Neuen Züricher Zeitung beklagte er die „neue Entmündigung des Bürgers“ in der „Corona-Krise“ und die „neu erworbene Machtfülle des Verordnungsstaates“. Sprechen sollen auch die „Pädagogen für Aufklärung“ aus Hamburg. Dort unterstellte Sprecher Vincent bei einer Kundgebung dem Gegenprotest, dass sie bezahlt würden.

Der Leiter des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Bernhard Witthaut, warnt, dass Rechtsextreme zu dem Protest kommen könnten. Maskenverweiger*innen sind wohl auf jeden Fall dabei. Gegenaktionen sind angekündigt.

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