Bundeskongress der Grünen Jugend: Höflicher Applaus für die Mutterpartei
Bei den Grünen und ihrem Jugendverband knallt es oft. Aber beim 60. Bundestreffen bleibt großer Streit aus. Das freut auch den Grünen-Chef Banaszak.
Foto: Sebastian Willnow/dpa
Als sich Henriette Held und Luis Bobga erneut für die Posten der Bundessprecher:innen der Grünen Jugend (GJ) bewerben, gehen beide die Bundesregierung hart an. Erst kritisiert Held am Samstag in Leipzig auf der Bühne des 60. Bundeskongresses des grünen Jugendverbandes, Bundeskanzler Friedrich Merz biete keine Lösungen für die Klimakrise. Wenig später bezeichnet Bobga die komplette Regierung in Zeiten von tausenden Hitzetoten und finanzieller Ungleichheit als „unfähig“.
Ihre Mutterpartei erwähnen beide dagegen jeweils nur einmal: Die Grünen sollten sich von der CDU abgrenzen und stattdessen den Menschen Hoffnung auf die Zukunft geben. Verglichen mit früheren Jahren ist das eher zahme Kritik – der Jugendverband gilt traditionell als linker als die Mutterpartei. In der Turnhalle nahe dem Leipziger Zentrum, in der die GJ tagt, kommt das trotzdem gut an. Die rund 500 anwesenden Mitglieder wählen die beiden 24-Jährigen für eine weitere Amtszeit – Henriette Held bekommt 86 Prozent der Stimmen, Luis Bobga 73 Prozent.
Neben der Vorstandswahl beschließt der Bundeskongress an diesem Wochenende unter anderem eine „Oststrategie“ und die Erhöhung der Altersgrenze des Jugendverbandes von 28 auf 30 Jahre. Die Debattenbeiträge drehen sich wiederkehrend um die Klimakrise, das AfD-Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und die mögliche Koalition der Grünen mit Linken und SPD in Berlin.
Rot-Grün-Rot in der Hauptstadt treibt auch Parteichef Felix Banaszak um. Der 36-Jährige war von 2013 bis 2014 selbst Bundessprecher des Jugendverbands. Anders als die GJ äußerte sich Banaszak zuletzt kritisch zu den Sondierungsgesprächen in Berlin. Er habe sich von der Linken gewünscht, dass die ihr Antisemitismus-Problem ernsthaft angehen würden, sagt er am Sonntag in Leipzig. Differenzen zwischen Parteien müssten geklärt werden, bevor sie eine Regierung bilden können, nur dann sei diese stabil. Dass er das öffentlich anspreche, bedeute nicht, dass er eine Koalition mit der CDU vorziehe, so Banaszak.
Und dann geht es wieder um Israel
Jede Zusammenarbeit mit der CDU von vornherein auszuschließen, halte er aber ebenfalls unklug. Innerhalb der Union laufe ein „Richtungskampf“ darüber, ob man gemeinsame Sache mit der AfD machen könne. Die Grünen müssten denen, die sich für eine Brandmauer gegen Rechtsextreme einsetzen, Optionen anbieten und sie dadurch unterstützen, erklärt Banaszak. Dafür bekommt er höflichen Applaus, nur eine Handvoll GJ-Mitglieder steht dafür auf.
Nach seiner Rede nimmt Banaszak vorn zwischen den GJ-Vorsitzenden Held und Bobga Platz und hört weiter zu. Er sei froh über die Pluralität in der GJ, sagt er etwas später der taz. Dass er am Rande des Bundeskongresses eine gute halbe Stunde lang mit mehreren GJ-Mitgliedern, die Kufijas über den Schultern trugen, die Position der Grünen zu Israels Krieg in Gaza diskutierte, sei etwa ein Gewinn. Sie forderten, die Grünen sollten von einem „Genozid in Gaza“ sprechen, statt unbestimmter von „Kriegsverbrechen“.
Banaszak hörte zu, blieb aber bei der Position, dass er das ablehne. „Es lohnt sich immer, im Gespräch zu bleiben.“ Dafür habe er wiederum von anderen GJ-Mitgliedern Zuspruch erhalten, sagt er der taz.
Die unterschiedlichen Positionen innerhalb der GJ hatten diesen Sommer kurzzeitig besondere Aufmerksamkeit erhalten, als es um das lose Netzwerk der Jungen Realos innerhalb der Nachwuchs-Grünen ging. Nach Informationen der taz sind das rund 400 der insgesamt 19.000 Mitglieder, die sich analog zum Realo-Flügel in der Partei im Jugendverband für weniger linke Perspektiven einsetzen.
Für Ämter im Jugendverband kandidieren an diesem Wochenende keine Jungen Realos. Aber sie bringen sich mit mehreren Änderungsanträgen ein. Einer davon, der von den Jungen Realos stammen soll, steht am Anfang des am Samstag beschlossenen Leitantrags. Dort hieß es ursprünglich, eine mögliche Regierung von Rot-Rot-Grün in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sei ein Hoffnungsschimmer. In der Beschlussfassung ist nun statt von Rot-Rot-Grün von „progressiven Koalitionsbündnissen“ die Rede.
Ebenfalls am Samstag beschloss der Bundeskongress eine neue „Oststrategie“, um die mitgliederschwachen Landesverbände in Ostdeutschland zu stärken. Es solle mehr Vernetzung mit lokalen Strukturen geben und aus Westverbänden personelle Unterstützung. Das sei ein wichtiger Schritt, erklärt Jaspar Hitz, einer der beiden Sprecher:innen der Grünen Jugend Sachsen-Anhalt, am Rande des Bundeskongresses. Es schaffe „echte Gleichberechtigung“ und zeige eine Weiterentwicklung in der Grünen Jugend. „Der Osten ist ein Thema und wird es bleiben“, sagt Hitz.
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