Bürgerkrieg in Äthiopien: Luftangriffe in den Bergen

In Äthiopien gibt es schwere Kämpfe zwischen Zentral- und Regionalregierung um die Region Tigray. Die Uno ist besorgt über die humanitäre Lage.

Betende Frau mit Fackel in einer Kirchengemeinde

Friedensgebet in der Kathedrale von Addis Abeba, 5. November Foto: Mulugeta Ayene / AP

NAIROBI taz | Internationale Organisationen rufen die rebellische äthiopische Tigray-Region und Äthiopiens Zentralregierung auf, die Kämpfe einzustellen, die vergangene Woche begonnen hatten. Aber beiden Seiten zeigen derzeit wenig Neigung dazu. Das Land steht am Rand eines möglicherweise langen und blutigen Bürgerkrieges.

Tigrays Regierungspartei TPLF (Tigray-Volksbefreiungsfront) hat fast 30 Jahren die föderale Regierung Äthiopiens dominiert, verlor aber ihre Vormachtstellung, als Abiy Ahmed vor zwei Jahren Premierminister Äthiopiens wurde und Reformen einläutete, durch die viele mächtige Tigrayer in Politik und Armee ihre Posten verloren. Die Spannungen eskalierten immer mehr, bis am vergangenen Mittwoch Abiy Ahmed den Angriff auf Tigray befahl.

Seine Zentralregierung hat die lokale Führung in Tigray für abgesetzt erklärt und will sie durch eine neue Regionalregierung ersetzen. Dafür hat am Samstag das Oberhaus des äthiopischen Parlaments Premierminister Abiy Ahmed die Zustimmung gegeben. Er kann jetzt Menschen für Posten ernennen, aber die Frage ist, was das bringt.

Denn um Druck auf Tigray auszuüben, bombardiert die äthiopische Luftwaffe Orte in der nördlichen Region. Die UNO warnt, dass 9 Millionen Menschen in Äthiopien vertrieben werden können, weil die Bundesregierung in Tigray den Notstand ausgerufen und die Straßen gesperrt hat. Nahrung und andere Hilfsgüter können die Region, in der 600.000 Menschen auf Nothilfe angewiesen sind, nicht mehr erreiche, heißt es.

Diplomaten in Addis Abeba sagen, dass es auf beiden Seiten Opfer gibt, aber über den genauen Umfang ist nichts bekannt. Medien berichten von zahlreichen Militärkonvois mit verwundeten Soldaten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte am Samstag mit, allein in einem einzigen Ort entlang der Tigray-Grenze seien mindestens 60 Menschen verwundet und 6 getötet worden.

Telefon- und Internetverbindungen mit Tigray sind abgeschnitten. Dennoch hat die aufständische Regierung in der Region Erklärungen veröffentlichen können, in denen sie verkündet, den „gerechtfertigten Krieg zu gewinnen“, und dass „ein Kämpfer nicht mit seinen Feinden verhandeln wird“. Die gut trainierten Soldaten Tigrays haben seit den Tagen des Grenzkrieges gegen Eritrea (1998–2000) ein riesiges Waffenarsenal zur Verfügung.

Die Region zählt schon sehr viele Flüchtlinge und Vertriebene nach einem Jahr mehrfacher humanitärer Katastrophen. Neben der Coronapandemie gab es massive Überschwemmungen, Wüstenheuschrecken haben die Ernte zerstört. Auch der Rest Äthiopiens steckt auf verschiedenen Ebenen in der Krise.

Der Konflikt mit Tigray ist nun auch für Abiy Ahmed eine Bewährungsprobe. Am Sonntag gab der Premier die Entlassung sämtlicher Spitzen von Armee, Polizei und Geheimdiensten sowie des Außenministers bekannt.

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