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Buckelwal Timmy„Er hat sich von der Stelle bewegt“

Der vor Poel gestrandete Buckelwal atmet weiter und gibt Laute von sich. Am Donnerstagmorgen soll er sich einige Meter bewegt haben.

Timmy gibt Atemluft ab, während er noch immer in der Wismarer Bucht liegt Foto: Philip Dulian/dpa

dpa/taz | Der vor der Ostseeinsel Poel gestrandete Buckelwal atmet weiter und gibt ab und an Laute von sich. Am Donnerstagmorgen soll Timmy sich einige Meter bewegt und gedreht haben haben, sagte ein Ministeriumssprecher der Bild.

Dennoch steht derzeit keine Rettungsaktion an. Die Idee, ihn mit einem Katamaran zu bergen, wurde mit der Begründung verworfen, dass sich dabei die geschädigte Haut des Wals ablösen könnte. Die Haut des Wals leidet, weil der Salzgehalt dort, wo er gestrandet ist, geringer ist, als in seinem natürlichen Habitat. Die vor Ort Verantwortlichen sagen, sie hätten alles getan, um dem Wal eine Chance zu geben.

Demonstranten und Nutzer im Netz sehen das anders – und kritisierten das Vorgehen der Verantworlichen. Nicht nur gingen in den letzten Tagen Anzeigen, unter anderem gegen Greenpeace und Umweltminister Backhaus bei der Polizei ein. Wie der Radiosender NDR1 berichtet, stellten mindestens fünf Privatpersonen Eilanträge auf Rettung des Wals beim Verwaltungsgericht, die jedoch alle abgelehnt wurden.

Die Internationale Walfangkommission (IWC) wies darauf hin, dass der Fall Timmy einzigartig ist: „Noch nie ist beobachtet worden, dass ein Wal innerhalb weniger Tage mehrfach an einer Küste strandet und weiterlebt“, teilt Umweltminister Till Backhaus mit, der sich dabei auf ein Schreiben des IWC beruft.

Streit zwischen Bürgermeister und Meeresbiologe

Kürzlich äußerte sich auch Sven Patheil-Böhnke, Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, zu den Rettungsversuchen der letzten Wochen und kritisierte den Influencer und Meeresbiologen Robert Marc Lehmann scharf in der Bild. Die Zusammenarbeit mit Lehmann hätte sich laut Patheil-Böhnke „schwierig“ gestaltet. „Ich war etwas überrascht, dass seine Prognosen und seine Annahmen zu 100 Prozent falsch waren“, erklärte der Bürgermeister weiter.

Er behauptet, dass es Lehmann nur um gute Aufnahmen gegangen wäre, nicht um das Tier. Der Meeresbiologe hatte zuletzt auf seinem Instagramkanal, dem mehr als 700.000 Menschen folgen, die Maßnahmen rund um den gestrandeten Buckelwal stark kritisiert. Vor wenigen Tagen hatte er seinen Instagramkanal deaktiviert – laut seines Vereins „Mission Erde“, um sich auf ein Projekt zu konzentrieren, das seinen „vollen Fokus benötigt“.

Zukunft von Walrettungen in Deutschland

Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt zeigt sich aufgeschlossen für Ideen zum Schutz von Walen. „Jede Strandung von Großwalen in Küstengewässern ist individuell, und warum Buckelwal Timmy gestrandet ist, ist noch nicht abschließend erklärt“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Ob gestrandete Wale durch menschliche Hilfe wieder tiefere Gewässer erreichen können, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Der Umweltminister erklärte: „Die Erfolgschancen sind vom Zustand des betroffenen Wales, der betroffenen Art und den örtlichen Gegebenheiten abhängig.“

Er betonte, dass er gute Vorschläge zum Wohle der Wale begrüße, und freue sich auf den Austausch mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). „Spätestens auf der anstehenden Umweltministerkonferenz, wo wir beide den Meeresschutz zum Thema machen werden, wird dafür Gelegenheit sein“, sagte Goldschmidt. Backhaus hatte laut Medienberichten am Dienstag eine Abstimmung der Bundesländer bei künftigen Walstrandungen vorgeschlagen.

„Zeichen für den Sterbeprozess“

Fachleuten zufolge liegt Timmy im Sterben. Dass der Wal nicht auf Boote reagiere, sei ein Zeichen für den Sterbeprozess, sagte Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. Wie lange dies dauere, sei unklar.

Am Dienstag hatten Expertinnen und Experten gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Wals präsentiert. Das Tier soll demnach weder lebendig geborgen werden, noch könne es sich selbst freischwimmen. Dazu seien der Wasserstand zu niedrig und die Kräfte des Wals zu gering, erklärte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek.

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