Briefwechsel auf koreanischer Halbinsel: Süd und Nord nicht mehr sprachlos

Die Führungen Süd- und Nordkoreas wollen wieder miteinander reden. Nach über einem Jahr öffnen sie die gekappten Kommunikationskanäle.

Die Führer Nord- und Südkoreas zwischen NachrichtenstprecherInnen auf einem TV-Bildschirm in einem Bahnhofswarteraum.

Ein südkoreanischer Sender präsentiert am Dienstag Archivbilder im Bahnhof von Seoul Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa

SEOUL ap/afp | Süd- und Nordkorea haben nach mehr als einjähriger Unterbrechung die Kommunikationskanäle zwischen ihren Regierungen wieder geöffnet. Dies sei ein erster Schritt hin zu einer angestrebten Verbesserung der Beziehungen, teilte das Büro des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In am Dienstag mit.

Seit April hätten Moon und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un etliche Male persönliche Briefe ausgetauscht und sich dann entschlossen, „die grenzüberschreitenden Kommunikationskanäle zu normalisieren.“

Am Dienstag telefonierten Moon und Kim miteinander, teilte das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium mit. Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass auch die militärischen Hotlines zwischen beiden Seiten wieder vollständig in Betrieb seien.

Die Staatschefs hätten auch vereinbart, „das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen und ihre Beziehungen so bald wie möglich wieder aufzubauen“, ergänzte Regierungssprecher Park Soo Hyun in Seoul.

Signal Pjöngjangs an US-Regierung?

Nordkoreas Staatsmedien bestätigten die Bekanntgabe umgehend. „Nun verlangt die gesamte koreanische Nation danach, zu erleben, wie die Nord-Süd-Beziehungen sich so früh wie möglich vom Rückschlag und von der Stagnation erholen“, hieß es in einer Mitteilung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Im vergangenen Jahr hatte Nordkorea alle Kommunikationskanäle nach Südkorea gekappt und sogar das Gebäude des Verbindungsbüros gesprengt. Damit protestiere man gegen das Unvermögen Seouls, etwas gegen Aktivisten zu unternehmen, die mit Ballons Flugblätter mit kritischen Inhalten über Machthaber Kim Richtung Norden schicken, hieß es aus Pjöngjang. Insbesondere die Schwester von Machthaber Kim, Kim Yo Jong, tat sich als rhetorische Hardlinerin Pjöngjangs hervor.

Einige Experten werteten die nordkoreanische Aktion damals auch als Zeichen der Frustration, dass Seoul lukrative innerkoreanische Wirtschaftsprojekte nicht wiederbelebt und die USA nicht zu einer Lockerung der Sanktionen gegen Pjöngjang bewegt habe.

Die unerwartete Wiederannäherung wird jetzt auch auch als Signal Pjöngjangs an die neue US-Regierung von Präsident Joe Biden gewertet. Sowohl Nordkorea als auch die US-Regierung hatten sich seit Bidens Amtsantritt mit Blick auf den gegenseitigen Umgang abwartend verhalten.

Ende des gegenseitigen Abwartens

Im Juni hatte Kim erklärt, Nordkorea müsse sich mit Blick auf die von Biden geführten USA sowohl auf „Dialog als auch auf Konfrontation“ einstellen.

Die Gespräche zwischen Nordkorea und den USA über sein Atomprogramm stecken in der Sackgasse. Der Zusammenbruch der Nukleardiplomatie setzte mit Kims zweitem Gipfel mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2019 in Vietnam ein. Damals wiesen die Amerikaner Forderungen Nordkoreas nach Lockerungen der Sanktionen im Gegenzug für einen Teilverzicht auf Pjöngjangs Atomarsenal zurück.

Das Weiße Haus erklärte derweil, einen „pragmatischen Ansatz“ in der Nordkorea-Politik verfolgen zu wollen, um eine atomare Abrüstung des isolierten Landes zu erreichen. Der US-Sonderbeauftragte für Nordkorea, Sung Kim, sagte im Juni, Washington sei „jederzeit“ und „ohne Vorbedingungen“ bereit zu einem Treffen mit der Führung Pjöngjangs – ein Angebot, das Kims einflussreiche Schwester Kim Yo Jong umgehend zurückwies.

Der Nordkorea-Experte Yang Moo Jin bewertete die jüngste Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang als Zeichen dafür, dass Nordkoreas Machthaber die Wiederaufnahme der Kontakte mit Seoul „innen- und außenpolitisch für vorteilhaft“ halte.

Der südkoreanische Präsident Moon habe trotz des Stillstands in den Verhandlungen mit Nordkorea stets auf die Erholung der innerkoreanischen Beziehungen gepocht. Die Bereitschaft zur Wiederaufnahme des Kontakts zu Südkorea „sollte als erste Antwort von Kim Jong Un auf Seoul und Washington verstanden werden“, sagte Yang.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de